Interview mit Meike Stoverock

Interview mit Meike Stoverock

 

von Christian Handel

 

 

 

Frisch erschienen ist »Das Strahlen des Herrn Helios«, ein amüsanter Detektivroman, dessen Setting an die Zeit des frühen 20. Jahrhunderts erinnert, dessen Figurenensemble jedoch absolut ungewöhnlich ist. Meike Stoverock hat ihren Debütroman nämlich mit Tieren statt mit Menschen bevölkert: Ein Hase als Ermittler, ein Huhn als Haushälterin und ein Löwe als Zirkusdirektor – Willkommen in der Welt von Skarabäus Lampe. Mehr über diese Welt – und über Skarabäus selbst – verrät uns die Autorin jetzt einiges im Interview:

 

 

Liebe Meike, welche Schlagworte und Farben spiegeln die Handlung deines Romans am besten wider?

Schlagworte und Farben, was für eine ungewöhnliche Kombi. Ich glaube, schrullig passt ganz gut. Alle Leutchen haben ihre ganz eigenen Geschichten, die zwar an die reale Menschenwelt erinnern, aber irgendwie verdreht, wie in einem Zerrspiegel, bloß in lustig.

Nach der Farbe fragst Du wahrscheinlich, weil Farben für Skarabäus Lampe eine besondere Bedeutung haben, oder? Ich sehe einen hellen Fliederton, der aber je nach Lichteinfall auch giftgrüne, blutrote und sepiafarbene Reflexe zeigt.

 

Was liebst du an Skarabäus Lampe? 

Ganz klar, die Kombi aus Nervigkeit und Empathie. Mit seinem wachen Geist, der allen anderen stets davonfliegt, geht er allen auf die Nerven und jeder wünscht ihn ständig zur Hölle, aber er hat auch ein warmes Herz und ist viel empathischer als er selbst zugeben würde. Er ist im Grunde ein Kindskopf, aber gleichzeitig eben auch ein überzeugter Logiker mit einer fatalen Empfänglichkeit für schöne Frauen.

 

Welchen Grund hattest du, für deinen Detektivroman ein so tierisches Ensemble zu schaffen? 

Die Entscheidung lag gar nicht wirklich in meiner Hand. Ich liebe zwar die Welten von Terry Pratchett und Walter Moers, in denen ja ebenfalls die unterschiedlichsten Kreaturen aufeinandertreffen, aber es war nie mein Plan, Tier-Fantasy zu schreiben. Das passierte durch Zufall. 

Eines Tages stieß ich in einem Spiel auf die beiden Wörter „Skarabäus“ und „Lampe“, die direkt nebeneinanderstanden. Und genau in dem Augenblick, in dem ich sie da so stehen sah, entstand mein Detektiv. Ich wusste sofort, dass er Hase und Meisterdetektiv ist. Danach kamen die Ideen wie von selbst. Die Geschichte kann man auch auf meinem Blog nachlesen.

 

Was hat dir beim Erschaffen seiner Welt am meisten Spaß gemacht?

Das Erfinden. Das Schreiben des Buches war für mich wie Urlaub im eigenen Kopf. Ich konnte einfach zum Fenster hinausdenken und Sachen erfinden – ohne mich dabei an die formellen Regeln der Menschenwelt halten zu müssen. Naturgesetze und Physik gelten in Überstadt nicht so wie für uns, weshalb zum Beispiel eine Stunde für Ratten nur siebenundfünfzigkommadrei Minuten hat oder die Früchte des Raketenbaumes nach oben fallen, wenn sie reif sind.

Da die Welt irgendwo Anfang des 20. Jahrhunderts angesiedelt ist, muss ich zwar hin und wieder nachschlagen, wann diese oder jene technische Entwicklung erfunden wurde, aber generell muss ich nicht viel recherchieren, sondern kann einfach drauflos erfinden. 

 

Und was hat dir am meisten Kopfzerbrechen bereitet? 

Ach herrje, die logische Stringenz. Mitunter sprudelten die Ideen so aus mir heraus, dass ich aufpassen musste, mich irgendwann auf eine festzulegen und dabei dann auch zu bleiben. Oft ertappte ich mich irgendwo auf den hinteren Seiten dabei, eine Eigenheit zu beschreiben, die ich weiter vorne schon anders beschrieben hatte. Das gehört natürlich zur schriftstellerischen Sorgfalt, klar, und ich lerne eine Menge dabei, aber Sorgfalt und ich, wir kennen uns eher als entfernte Bekannte, ich bin eher der „Quick & Dirty“-Typ.

 

Welcher Ort im Buch gefällt dir selbst besonders gut?

Eindeutig der Zirkus. Ich weiß nicht, warum, aber ich hatte schon immer eine große Affinität zu den  „Freakshows“ Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Film „Freaks“ von 1932, die Geschichte von Joseph Merrick, dem sogenannten Elefantenmensch, sowie zahlreiche popkulturelle Erzeugnisse wie Comics und Computerspiele mit diesem Setting haben mich nachhaltig beeinflusst und geprägt.  

Mir fehlt noch ein bisschen Mut, glaube ich, solche Örtlichkeiten noch genauer und bildlicher zu beschreiben, aber auf dem Jahrmarktsgelände von Überstadt mit den bunten Schaustellerwagen habe ich mich wirklich gerne herumgetrieben.

 

Werden Skarabäus und seine Gefährten weitere Abenteuer erleben? 

Ja! Der zweite Fall ist gerade in Arbeit und wird voraussichtlich im Herbst ’23 erscheinen. Wir erfahren darin mehr über die Familie und Vergangenheit von Skarabäus Lampe. Und ich hoffe natürlich sehr, dass es danach weitergeht. 🙂

 

Wenn du selbst für einen Tag in die Welt von Skarabäus schlüpfen könntest: Was für ein Tier wärest du und warum? 

In Überstadt wäre ich vermutlich eine Hyäne: Mit einer seltsamen Faszination für den Tod und einem großen Mundwerk. Ich würde natürlich auf der Seite des Verbrechens stehen und wäre die gefährliche Gegenspielerin von Skarabäus Lampe.

Vielen Dank!

 

 

Skarabäus Lampes erster Fall: »Das Strahlen des Herrn Helios«

Der Hase Skarabäus Lampe ist ein genialer Detektiv, analytischer Kopf und ganz nebenbei auch Hobby-Entomologe. Im Mittelpunkt seines ersten Falles steht ein grausames Verbrechen in einem kleinen Wanderzirkus. Die städtische Polizei stößt mangels ordentlicher Ausstattung und fehlender Weitsicht wie üblich an ihre Grenzen, so dass Skarabäus einmal mehr helfen muss, Licht ins Dunkel zu bringen.

Der Löwe Helios, Direktor eines Wanderzirkus, wurde ermordet und die Umstände seines Todes sind so seltsam, dass Skarabäus Lampe schnell klar wird: Dahinter steckt mehr als die drohende Auflösung des Zirkus, wie die Polizei vermutet. Zwischen bunten Zelten und schummrigen Schaustellerwagen liegt vieles im Schatten und nach und nach findet der Meisterdetektiv heraus, dass jeden der »Freaks« eine ganz eigene Geschichte mit dem Direktor verband. Doch welche reicht für ein Mordmotiv? Bei seinen Ermittlungen wird der Detektiv unterstützt von seinem ehemaligen Kindermädchen Helene Pick, sowie dem kleinen Straßenkater Teddy, den Lampe wie einen Sohn liebt, was er aber nie zugeben würde. Als Teddy mitten in den Ermittlungen entführt wird, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit und der nüchterne Verstand des Detektivs gerät an seine Grenzen.

Mehr zum Buch Hier geht’s zur Leseprobe!

 

 

Über die Autorin:

 

 

 

 

 

Meike Stoverock studierte Biologie mit Schwerpunkt Evolutionsökologie und promovierte im Bereich Epidemiologie. Die komplexen Wechselwirkungen zwischen Lebewesen und ihrer Umwelt sind ihr besonderes Steckenpferd. Seit der #Aufschrei-Aktion 2013 beteiligt sie sich immer wieder an Geschlechter- und Gesellschaftsdebatten.

 

 

Mittelerde erklärt: Durins Krone

15. August 2022

Mittelerde erklärt: Sauron der Große

15. August 2022