Interview mit Anthony Ryan zu »Das Lied des Wolfes«

Für die aktuelle Ausgabe der TolkienTimes hat die Hobbit Presse ein Interview mit Anthony Ryan zu seinem neuen Buch »Das Lied des Wolfes« geführt. Mehr über die Inspirationen des Bestsellerautors und seine Tipps für angehende Autoren und Autorinnen könnt ihr hier lesen:


1. Lieber Anthony, wir freuen uns über den Start deiner neuen Serie »Rabenklinge« und sind stolz, sie in der Hobbit Presse veröffentlichen zu dürfen. Worum geht es im ersten Band »Das Lied des Wolfes« und in welcher Beziehung steht die neue Serie erzählerisch und chronologisch zu deiner Rabenschattentrilogie?

»Rabenklinge« beginnt ungefähr fünf Jahre nach dem Ende von »Die Königin der Flammen«, dem letzten Teil der Rabenschattentrilogie. Im Zentrum steht selbstverständlich wieder der Held Vaelin al Sorna. Von seiner Vergangenheit verfolgt, verbringt er seine Tage mit der Jagd nach den Geächteten in den Nordlanden. Als jedoch ein alter Feind wieder auftaucht beginnt für ihn ein neues Abenteuer.

2. Wie kam dir die Idee für die Rabenklingenserie? Hattest du diesen Gedanken schon während des Schreibens der Rabenschattentrilogie?

Ich wusste immer, dass ich irgendwann in die Welt von Vaelin zurückkehren wollte. Es gab in den Rabenschatten-Büchern viele Schauplätze die noch zu entdecken waren und ich wusste, dass die Geschichte von Vaelin noch nicht auserzählt war. Wenn ich einen Zeitpunkt nennen müsste an dem ich wieder in die Welt der Rabenschatten zurückkehrte, dann war das ungefähr ein Jahr nach Beendigung von »Die Königin der Flammen«.

3. Gibt es Ähnlichkeiten zwischen dir und einem deiner Charaktere?

Nicht wirklich. Ich bin nicht besonders mutig und man sollte mir wahrscheinlich kein Schwert anvertrauen. Von allen Charakteren aus der Rabenklingenreihe ist mir vermutlich Erlin am ähnlichsten, weil er der Älteste ist und am meisten über Geschichte weiß.

4. Sind deine Charaktere von deinen Erlebnissen oder von Menschen in deinem Leben inspiriert?

Sowohl als auch. Teilweise sind sie vollkommen fiktiv, teilweise sind sie durch Begegnungen in meinem Leben entstanden. Ich borge mir Züge von echten Menschen, kopiere sie aber nicht vollständig. Wie dem auch sei, bisher hat sich niemand in meinem Umfeld selbst wiedererkannt.

5. In deiner neuen Geschichte wird Vaelin al Sorna die Frau wiedertreffen, die er vor Jahren geliebt hat. Was ist mit den Gefühlen für diese Frau geschehen? Wie haben sich die beiden in dieser langen Zeit verändert?

In meinen vorangegangenen Büchern tendierte ich dazu, größere Themen zu erkunden. Jetzt in der »Rabenklinge« sind die Themen viel persönlicher. Ich wollte von Menschen erzählen, die sich nach langer Zeit wieder vereinen, und wie sie mit der Tatsache zurechtkommen, dass sie nicht mehr die gleichen sind. Beiden, Sherin und Vaelin, sind in der Zwischenzeit lebensverändernde Ereignisse widerfahren, seit sie auseinander gegangen sind, und es wäre irgendwie absurd sie so darzustellen, als wären sie noch dieselben. Als könnten sie genau an dem Punkt weitermachen an dem sie sich getrennt hatten. Sie sind beide älter und erfahrener, in gewisser Hinsicht auch weiser. Das heißt aber nicht, dass die alten Wunden vollständig geheilt sind.

6. Wie kamst du zum Schreiben?

Ich kann mich überhaupt nicht erinnern, nicht schreiben zu wollen. Und seit ich herausgefunden hatte, dass Menschen das beruflich machen, wollte ich ein professioneller Schriftsteller werden. Ich denke, es ist das Gefühl etwas zu erschaffen, was mir gefällt. Das Gefühl eine Geschichte zu erfinden, die niemand zuvor gelesen hat, ist immer aufregend. Außerdem habe ich bemerkt, dass ich in nichts anderem wirklich gut bin.

7. Wie sieht ein typischer Tagesablauf bei dir aus? Gib es festgelegte Zeiten an denen du schreibst?

Morgens kümmere ich mich um Korrespondenzen und administrative Tätigkeiten, alles was so anfällt. Nachmittags schreibe ich meistens in 30 Minuten-Rhythmen. Üblicherweise schreibe ich etwas zwischen 1000-1500 Wörtern pro Tag. Mein täglicher Ausstoß kann sehr stark schwanken, je nachdem an welcher Stelle ich mich im Buch gerade befinde. Am Anfang einer Geschichte schreibe ich viel aber zum Ende hin noch um einiges mehr.

8. BCDF hat sich die Rechte an der Rabenschattentrilogie gesichert. Joseph Muszynski (»Peace, Love and Misunderstanding«) adaptiert »Das Lied des Blutes«, das sich weltweit über eine Million Mal verkauft hat. Claude Dal Farra, Brice Dal Farra und Brian Keady sind als Executive Producers dabei. Gibt es aktuelle Neuigkeiten? Wie fühlt sich das für dich an?

Ich habe jetzt schon länger nichts über die mögliche Rabenschattenfilmadaption gehört. Ich habe das Drehbuch für die Pilotfolge von Joseph Muszynski gelesen und er hat großartige Arbeit dabei geleistet, die Atmosphäre der Rabenschattenwelt einzufangen. Leider habe ich keine Ahnung wie es allgemein angenommen wurde. Was ich von meinen wenigen Kontakten aus der Film- und Fernseh-Branche gehört habe war, dass alle neuen Produktionen wegen COVID-19 gerade zum Stillstand gekommen sind. Sie können wahrscheinlich erst nach der Pandemie wieder aufgenommen werden.

9. Was ist der nützlichste Ratschlag, den du angehenden Autoren und Autorinnen geben kannst?

Ganz einfach: Gib nicht auf! Ein Leben als Schriftsteller hält viele Enttäuschungen und Ablehnungen bereit. Hartnäckig bleiben, das ist wahrscheinlich die wertvollste Eigenschaft die man als Autorin oder als Autor haben kann. Außerdem: Speichern nicht vergessen.

Lieber Anthony, wir bedanken uns sehr herzlich für dieses Interview.

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