Der Herr der Ringe – Drei Übersetzungen aus der Sicht eines langjährigen Fans

Eva Bergschneider von phantastisch-lesen.com wirft einen Blick auf die deutschen Herr der Ringe-Übersetzungen

Meine erste Begegnung mit dem Fantasy-Klassiker Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien erlebte ich mit der Übersetzung von Margaret Carroux. Die Bücher Die Gefährten, Die zwei Türme und Die Rückkehr des Königs faszinierten mich wie wenige andere zuvor und sorgten dafür, dass ich nachhaltig der Phantastischen Literatur verfiel. Der antiquiert klingende Stil störte mich nicht, passte er doch hervorragend zum mittelalterlichen Setting der Geschichte. Darüber, ob die Übersetzung werkgetreu vorgenommen wurde oder die Formulierungen dem deutschen Sprachgebrauch entsprachen, machte ich mir als Jugendliche keine Gedanken. Ich kannte ja Tolkiens Originaltext nicht, den Sammelband The Lord of the Rings kaufte ich erst viele Jahre später. Nämlich dann, als sich der erste Teil von Peter Jacksons Herr der Ringe-Verfilmung ankündigte.

Die neue Übersetzung von Wolfgang Krege…

Der Jahrtausendwechsel brachte uns nicht nur den Y2K Bug, der keiner war, sondern auch eine neue Übersetzung der Der Herr der Ringe-Romane. Wolfgang Krege, ein gestandener Übersetzer für die Tolkien-Bücher der Hobbit Presse, wollte eine verbesserte deutsche Ausgabe erschaffen. Er schrieb dazu in den Anmerkungen zur neuen Übersetzung:

»Die alte Fassung ist eine getreue Nacherzählung einer fremden Geschichte. Sie gibt den englischen Text im Allgemeinen zuverlässig wieder; doch der Ton klingt neutral und gedämpft, als käme er über Mikrophon aus der gläsernen Kabine. Die neue Fassung maßt sich einen Versuch an, die Geschichte so vorzutragen, wie Tolkien es tun würde, wenn er heute, 1999, schriebe und wenn er sie aus dem Westeron gleich ins Deutsche brächte, ohne den Umweg über das Englische.«

Wolfgang Krege hatte sich also hohe Ziele für seine Übersetzung gesetzt. Er wollte den Inhalt treffender darstellen, den Text lesefreundlicher gestalten und an den deutschen Sprachgebrauch anpassen.

…schlug Wellen der Empörung

Die rote Hardcover-Ausgabe des Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien in der Übersetzung von Wolfgang Krege lag 2001 unter unserem Weihnachtsbaum. Ganz gelesen habe ich sie nie, denn ich wurde abgeschreckt.

Kurz nach der Jahrtausendwende machte ich die Bekanntschaft mit dem Forum der Herr der Ringe-Filmwebseite. Vielerorts im Netz und auch dort wurde äußerst kontrovers über die Qualität der neuen Übersetzung diskutiert.  Die User des Herr der Ringe-Filmforums zitierten in etlichen Threads Textpassagen und ließen sich darüber aus, warum Wolfgang Kreges Übersetzung schlechter sei als die von Margaret Carroux. Wolfgang Krege nähme Interpretationen vor, anstatt zu übersetzen, hieß es. Wolfgang Kreges Sprache sei zu modern und zu wenig dem Originaltext entsprechend fanden die Fans der Carroux-Ausgabe. Der mit weitem Abstand größte Aufreger war eine veränderte Personenbezeichnung. Sam spricht von Frodo nicht länger als »Herr«, wie in der Carroux-Ausgabe, sondern als »Chef«.

Gefühlt gab es unter den Diskutanten erheblich mehr Fans, die die alte Übersetzung bevorzugten und die neue verteufelten. Was allerdings nicht heißen muss, dass dies für die Mehrheit der User insgesamt galt. Bevor und während Peter Jacksons monumentale Verfilmung des Herr der Ringe in den Jahren 2001 bis 2003 die Kinoleinwände eroberte, lasen viele junge Menschen die Herr der Ringe-Bücher erstmalig, überwiegend die neue Übersetzung. Diese Leser verstanden die Aufregung nicht und hielten sich überwiegend aus den langen Diskussionen heraus. Ein paar wenige merkten an, dass für sie Kreges Übersetzung  vielleicht weiter vom Originaltext entfernt, dafür aber flüssiger lesbar sei. Sie hatten den Herrn der Ringe in Wolfgang Kreges Version lieben gelernt.

Was mich angeht, so fand auch ich die Bezeichnung »Chef« damals so furchtbar, dass ich davon absah, die neue Übersetzung komplett zu lesen und mir unabhängig eine Meinung darüber zu bilden.  Dabei verwendet Sam den Begriff nur dann, wenn er Frodo ausschließlich mit dem Titel anredet. Wenn er den Namen bei der Anrede dazu nimmt, heißt es weiterhin »Herr Frodo«. Mir entging für viele Jahre, dass Wolfgang Krege neben einigen sicherlich fragwürdigen Formulierungen auch viele Textpassagen erschuf, die tatsächlich besser und stimmiger die Atmosphäre des Herrn der Ringe einfingen.

Mit einem langen Abstand zu dem Übersetzungs-Disput und anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der deutschen Herr der Ringe-Ausgabe, fand ich Gefallen an der Idee, mir die Übersetzungen noch einmal anzusehen. Insbesondere deswegen, weil im Jahr 2012 die Hobbit Presse eine weitere Variante heraus brachte; eine sanft überarbeitete Version der Übersetzung von Wolfgang Krege.

Die Überarbeitung der neuen Übersetzung

Lisa Kuppler und Stephan Askani, Übersetzerin und Lektor der Hobbit Presse, schrieben dazu:

»1. Der eigene Sprachductus von Kreges Herr der Ringe-Übersetzung sollte gewahrt bleiben. 2. Der von Krege selbst formulierte Anspruch ›die Geschichte so vorzutragen, wie Tolkien es tun würde, wenn er heute, 1999, schriebe‹ sollte weiterverfolgt werden, gleichzeitig sollte aber auch versucht werden, ihn mit der Übersetzungsvorlage auszubalancieren, bzw. in Einklang zu bringen. Daher hat sich das Lektorat dafür entschieden, bei den Anredeformen auch auf das englische ›Master‹ zurückzugreifen, wo es der Bedeutung von ›Junger Mann/ junger Herr‹ entspricht.«

Auf die Personenbezeichnung »Chef« wurde in dieser Übersetzungsvariante gänzlich verzichtet.

 

 

Textbeispiele

Bei der Lektüre vom ersten Herr der Ringe-Band Die Gefährten in der überarbeiteten Übersetzung Wolfgang Kreges, habe ich ein paar markante Textstellen markiert, um die verschiedenen Textvarianten zu vergleichen: Original, Carroux, Krege 2000, Krege 2012. Auf drei Textstellen möchte ich hier näher eingehen.

Hat Carroux tatsächlich näher am Text übersetzt? Wie flüssig lesen sich die Texte im Vergleich? Was hat es mit den unterstellten Interpretationen auf sich?

  1. Schling- und schluck…was?

Original: Their faces were as a rule good-natured rather than beautiful, broad, bright-eyed, red cheeked, with mouth apt to laughter and to eating and drinking.

Carroux: Ihre Gesichter waren in der Regel eher gutmütig als schön, breit, mit glänzenden Augen, roten Wangen und Mündern, die immer zum Lachen und Essen und Trinken bereit waren.

Krege 2000: Ihre Gesichter waren in der Regel eher breit und gutmütig als schön, mit blanken Augen, geröteten Wangen und lachfaltigen, überaus schling- und schlucktüchtigen Mündern, die immer zum Lachen bereit waren.

Krege 2012: Ihre Gesichter waren in der Regel eher breit und gutmütig als schön, mit blanken Augen, geröteten Wangen und überaus schling- und schlucktüchtigen Mündern, die immer zum Lachen bereit waren.

Der erste wesentliche Unterschied in den verschiedenen Übersetzungen betrifft das Adjektiv »bright«. Das Online-Wörterbuch schlägt »hell«, »glänzend«, »leuchtend« und »blank« vor, »blank« funktioniert hier etwas besser als »glänzend«. Denn »glänzende« Augen verbindet man eher mit einem Augenblick, in dem diese Augen etwas Besonderes sehen. Es eignet sich weniger für eine allgemeine Beschreibung.

Fragwürdig erscheint mir die Beschreibung »schling- und schlucktüchtig«. Sie entspricht weder dem Originaltext, noch dem deutschen Sprachgebrauch und beschreibt die Physiognomie der Hobbits mitnichten treffender, als Carrouxs Variante »Mündern, die immer zum Lachen und Essen und Trinken bereit waren.« Hier verfehlt Wolfgang Kreges Text die eigenen Zielvorgaben.  Das ebenso missglückte »lachfaltig« wurde in der überarbeiteten Variante korrigiert.

  1. Hund oder Köter – welcher Begriff passt besser?

Original: »Listen, Hound of Sauron« he cried »Gandalf is here. Fly, if you value your foul skin.«

Carroux: »Höre, Saurons Hund« rief er »Gandalf ist hier. Fliehe, wenn Dir deine stinkende Haut lieb ist.«

Krege 2000 und 2012: »Kusch Du Köter Saurons!« rief er »Gandalf steht hier. Verschwinde, wenn Dir Dein räudiges Fell lieb ist.«

Im Wörterbuch wird »Hound« mit »Hund« oder »Jagdhund« übersetzt.  Carroux hat hier also wörtlich übersetzt, Krege ein negativ konnotiertes Synonym verwendet. Das Verb »to hound« beschreibt auf Deutsch jagen, verfolgen, belästigen. Mit »Köter« assoziieren wir einen gefährlichen Hund und genau solche Hunde sind hier gemeint. Daher hat hier Carroux zwar näher am Originaltext übersetzt, Krege aber die Atmosphäre der Szene besser getroffen.  Ob »Kusch« zum Ausdruck des Vertreibens unbedingt sein musste, sei einmal dahin gestellt.  Es ist eine sehr freie Übersetzung von »Listen«, passt aber durchaus zur Szene. Ähnlich verhält es sich mit der Übersetzung von »foul skin«. Carrouxs Übersetzung »stinkende Haut« ist die wortwörtliche Übersetzung, »räudiges Fell« entspricht hingegen eher dem deutschen Sprachgebrauch.

  1. Der unbeliebte »Chef«

Ein Blick auf eine Szene mit dem Hauptkritikpunkt der zahlreichen Kritiker der Krege Übersetzung sollte nicht unterschlagen werden. Wie schlimm ist die Bezeichnung »Chef« wirklich? Und was wurde in der Überarbeitung der Krege Übersetzung daraus gemacht?

Original: »And begging yours, Sam Gamgee«. Replied Bilbo »I guess you mean that it is time your master went to bed.«

Carroux: »Und ich bitte Dich auch um Entschuldigung, Sam Gamdschie« antwortet Bilbo »Du findest vermutlich, dass es für Deinen Herrn Zeit ist, ins Bett zu gehen.«

Krege 2000: »Und ich bitte meinerseits um Verzeihung, Sam Gamdschie.« Antwortete Bilbo »Ich nehme an, Du willst sagen, dass es für Deinen Chef Zeit wird, schlafen zu gehen.«

Krege 2012: »Und ich bitte meinerseits um Verzeihung, Sam Gamdschie.« Antwortete Bilbo »Ich nehme an, Du willst sagen, dass es für Deinen Master Frodo Zeit wird, schlafen zu gehen.«

Originaltext und alle Übersetzungen sind sich darüber einig, dass Frodo und Sam eine Art Dienstverhältnis unterhalten. Oft wurde ihrer Beziehung zueinander Ähnlichkeit mit der eines Lieutenants zu seinem  Sergeant oder Korporal im Ersten Weltkrieg attestiert.  In dem Sachbuch Tolkien und der Erste Weltkrieg von John Garth (https://www.booknerds.de/2014/11/john-garth-tolkien-und-der-erste-weltkrieg-buch/)  kann man nachlesen, wie prägend sich Tolkiens Zeit als Offizier im Ersten Weltkrieg an der Somme auf sein Schreiben auswirkte. Und das Vorwort zum Herr der Ringe zitiert seinen Erschaffer wie folgt:

»Der Autor kann natürlich von der eigenen Erfahrung nicht völlig unberührt bleiben, aber der Vorgang, in dem der Keim einer Geschichte aus dem Boden der Erfahrung seine Nahrung zieht, ist äußerst verwickelt. [..] Gewiss, wie bedrückend ein Krieg ist kann nur der ganz empfinden auf den dieser Schatten einmal gefallen ist: doch im Laufe der Jahre scheint man nun oft zu vergessen, dass es eben so schrecklich war, als junger Mensch 1914 da hineinzugeraten, wie 1939 und in den folgenden Jahren. 1918 waren alle meine guten Freunde tot, bis auf einen.«

Mit diesem Statement wandte sich Tolkien gegen etwaige Spekulationen, dass der Herr der Ringe als Allegorie zum Zweiten Weltkrieg zu verstehen sei. Es zeigt aber auch, dass seine eigenen Kriegserfahrungen im Ersten Weltkrieg durchaus ihre Spuren in seinem Werk hinterließen. Das gilt sicherlich für die Beziehung zwischen Frodo und Sam, denn es erklärt sowohl die absolute Loyalität Sams zu Frodo, als auch seinen Status als Bediensteter und als Freund zugleich.  Beständige Lebensbedrohung wie an der Front, oder eben wie auf einer gefährlichen Quest, vermag eine tiefe Freundschaft zwischen dem Vorgesetzten und seinem Untergebenen zu schmieden.

Die Bezeichnung »Chef« ist hier im nicht militärischen Kontext also keinesfalls falsch. Ich vermag nicht festzustellen, wie lange es den Begriff schon gibt. Vielleicht wusste Wolfgang Krege, dass es diese Bezeichnung schon länger gibt, als die meisten von uns vermuten. Jedenfalls wurde »Chef« als Personenbezeichnung im Herr der Ringe als unpassend und zu modern empfunden. Auch von mir. In der überarbeiteten Version der Übersetzung hat man sich dagegen entschieden, Carrouxs Bezeichnung »Herr« wieder einzusetzen. Ich bin kein Anglist, vermute aber, dass die Begriffe »Master« und »Herr« nicht exakt dasselbe beschreiben. »Herr« lässt auch mich eher an die Abhängigkeitsbeziehung im Feudalismus, als an eine Arbeitsbeziehung denken. Und eine solche sehe auch ich zwischen Frodo und Sam nicht. Es ist sicherlich eine gute Lösung, hier einfach den englischen Titel »Master« beizubehalten.

Fazit

Wenn mich heute jemand fragt, welche deutsche Übersetzung ich einem Herr der Ringe-Erstleser empfehlen würde, ich würde mich voller Überzeugung für die überarbeitete Variante von Wolfgang Kreges Übersetzung aus dem Jahr 2012 aussprechen. Nach langer Der Herr der Ringe-Abstinenz las ich Die Gefährten in der überarbeiteten Fassung und der Zauber der Geschichte zog mich erneut in seinen Bann. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, erfüllt für mich dieser Text das, was Leser und Leserinnen von einer guten Übersetzung erwarten:

  1. eine korrekte und treffende Übertragung des Originaltexts,
  2. ein lesefreundlicher Text, der
  3. die Atmosphäre der Geschichte authentisch wiedergibt

Für die hochwertige Schmuckausgabe des Herr der Ringe-Romans, die Ende 2016 erschien, hat sich die Hobbit Presse abermals für die alte Übersetzung von Margaret Carroux entschieden. Klar, die Zielgruppe für dieses besondere, wunderbar gestaltete und nicht gerade preisgünstige Buch sind die langjährigen Herr der Ringe-Fans. Diejenigen, die das Fantasy-Epos in der Übersetzung von Margaret Carroux kennengelernt haben. Für die Neueinsteiger ist meines Erachtens dennoch die überarbeitete Variante von Wolfgang Krege die richtige Wahl.

 

Eva Bergschneider schreibt auf phantastisch-lesen.com am liebsten über Fantasy, gern auch über gesellschaftskritische Romane des Phantastik-Genres wie Science-Fiction und Steampunk.

»Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.«

21. Februar 2019

Großer Leipzig liest- »Herr der Ringe«-Abend

21. Februar 2019

19 Thoughts on Der Herr der Ringe – Drei Übersetzungen aus der Sicht eines langjährigen Fans

  1. Mir ist diese Konversation bestimmt interessant, weil ich englische Müttersprachlerin bin. I hab’ noch nie LOTR gelesen, und meistens lese ich lieber auf Deutsch. Caroux klingt mir richtiger, weil ich natürlich besser bekannt bin, mit den englischen Redewendungen.

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  2. Für mich persönmlich hat ein gutes Buch rein sprachlich immer auch eine Art Melodie oder Rhythmus – daher ziehe ich die alte Übersetzung von Margarete Carroux auf jeden Fall vor. Das mag durchaus daran liegen, dass es von Anfang an meine erste Leseerfahrung mit Der Herr der Ringe war. Mir ist die Krege Übertragung in manchen Fällen einfach zu burschikos und scheint nicht so recht zu dem Setting der Geschichten zu passen.

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  3. Danke für die Auflistung. Wieder würde ich mich deutlich für Carroux entscheiden. In ihrer Bescheidenheit blieb sie am Original, und mehr verlange ich nicht. Interpretation ist stets subjektiv gefärbt. Zudem denke ich, Tolkien hätte auch „hier und jetzt„ den Herrn der Ringe nicht anders erzählt, da die Geschichte ja vor langer Zeit spielt. Mit dieser Argumentation könnte Krege genau so gut das Original in ein modernes Englisch umsetzen (wird dann Frodo zum Boss?) – nö, da halte ich mich lieber an Margarete, die nicht das Bedürfniss hatte, dem Buch ihren eigenen (Zeit-)stempel aufzudrücken.

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  4. Hallo, hab mir HdR gekauft, kurz bevor “die gefährten” ins kino kam, in der Übersetzung von Krege, hatte damals ja noch keine Ahnung. Ich fands super, nur teilweise etwas langatmig und etwas zäh. Hab mir dann die übersetztung von Carreaux gekauft, gefällt mir besser. Vom lesestil her. Inwieweit beide Übersetzungen dem Original (hab ich nicht gelesen) getreu sind , kann ich nicht beurteilen. Mein Fazit ist aber, beide Versionen haben ihre Berechtigung.

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  5. Schöne Analyse! Ich bin nicht ganz einverstanden, aber das ist nicht wirklich wichtig. Aber zum “Master” möchte ich doch etwas sagen: Für mich hat dieser Begriff in der deutschen Übersetzung nichts verloren. Denn ohne den englischen bzw. englischsprachigen Hintergrund versteht man hier nicht wirklich, was gemeint ist. Für mich ist Master noch schlimmer als Chef.

    In meinen Augen gab (& gibt) es keinen Grund, den HdR neu zu übersetzen. Wenn Bücher zukünftig alle paar Jahrzehnten “aktualisiert” übersetzt werden, haben wir irgendwann Übersetzungen mit fünf Wörtern pro Satz, weil das ja jetzt modern ist… diese Entwicklung halte ich für eine Katastrophe, auf sehr vielen Ebenen 😉 – und nein, ich möchte DAS Krege nun überhaupt kein Stück unterstellen, _so_ “schlimm” ist es nun wirklich nicht.

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  6. Ich habe in meiner Kindheit mit den „Gefährten“ begonnen und hatte ihn als sehr langatmiges und langweiliges Buch im Gedächtnis. Jetzt, rund 20 Jahre später, habe ich einen zweiten Versuch gewagt und bin gefangen.
    Ich fand erst heraus, dass es sich um verschiedene Übersetzungen handelte, als ich von der Kindle auf die Schmuckedition umsteigen wollte.
    Leider werde ich diese nun nicht beschaffen, da ich befürchte die Originalübersetzung entfernt mich wieder vom Werk.

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  7. Vielen Dank für diesen schönen Text. Ich muss mich einreihen in die Riege derer, die die alte Übersetzung bevorzugen, aber das schöne ist ja, dass es mittlerweile genug Auswahl gibt jede Präferenz zu bedienen.

    Persönlich muss ich sagen, dass mir gerade im zweiten Beispiel die Kriege Version überhaupt nicht gefällt, da m.E. die Bezeichnung ‘Hund’ für eine Person bereits ausreichend beleidigend wäre und ‘Köter’ meiner Meinung nach eher eine umgangssprachliche Qualität besitzt, die ich für den Sprecher, in diesem Fall Gandalf, sehr unpassend finde. ‘Kusch’ finde ich aus ähnlichen Gründen ungünstig gewählt.

    Weitaus besser gefällt mir ‘Master’ im 3. Beispiel, weil dieser Begriff die ‘Britishness’, die ja unzweifelhaft das ganze Werk durchzieht, sehr gut transportiert. Das ‘Herr’ in der klassischen Version gefällt mir jedoch ebenfalls sehr gut, weil es vom Sprachduktus her alten Sagen nahekommt.

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    • Kurze Anmerkung von mir:
      Es handelt sich um eine Szene bei der die Gemeinschaft von einem Wolfsrudel attackiert wird. Trotzdem finde ich das Hund besser als Köter zum Sprachgebrauch Gandalf’s passt.

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  8. Ich bevorzuge in jedem Falle die Carroux’sche Übersetzung mit zwei Anmerkungen:
    Den “einhundertelfzigsten” Geburtstag fand ich erst furchtbar, dann grandios, weil es das “one gross”, das Bilbo später erreicht, vorwegnimmt.
    Die Übersetzungen der Namensgebungen sind wirklich ein Glücksfall, auch wenn wir uns letztlich im Schwäbischen wiederfinden. Ob man allerdings der Namen der Hauptfigur hätte übersetzen sollen, bezweifle ich. Tolkien selbst wollte es wohl so.

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  9. hallo, bin zufällig auf diesen blog gestoßen und möchte nur ein Detail herausgreifen: “Hund oder Köter”?
    Ihre Ausführung ist nicht zutreffend. Im deutschen Sprachgebrauch bezeichnet der -Begriff “Köter” keineswegs einen ‘gefährlichen’ Hund, sondern ist Ausdruck für einen Haushund, der mit dieser Bezeichnung auf das verweist, was die meisten an Hunden wenig mögen, nämlich den Kot; eben daher kommt ja die Bezeichnung, also ein Hund, der vor allem seine Nordurft verrichtet, vermutlich gern verbellt, vielleicht auch beißt, jedoch ohne zu verteidigen, im allgemeinen auch wenig ansehnlich ist, auf der sozialen “Hundeleiter” also ganz unten steht. Dagegen ist der Gebrauch des Wortes “Hound” vielmehr analog zu den Dominikanern zu sehen, die nichts anderes sind als die “Hunde des Herrn” (des Herrn Jesus Christus). Dies nämlich bedeutet Dominikaner = Domini Canes = die Hunde des Herrn. Diese aber sind eindeutig und ganz unzweifelhaft Jagdhunde, Hunde nämlich, die die Feinde Jesu jagen, stellen und gerechter bzw. ganz und gar ungerechter Strafe zuführen, der Inquisition, die vor allem durch die Dominikaner betrieben wurde. Jemand wie Tolkien wusste das selbstverständlich und ein Sprachkenner wie er natürlich auch diese sprachlichen Zusammenhänge. Überdies benutzt Tolkien nicht zurfällig das Wort Hound, denn es bedeutet vor allem Jagdhund und nicht das Wort dog, das er auch hätte benutzen können, das hier aber nicht ausdrücken würde, was ausgedrückt werden wollte..
    Kreges Übersetzung ist mithin schlicht falsch.

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    • Sehr treffend hergeleitet!

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    • Ich stimme mit Ihnen völlig überein, was den Ausdruck “Köter” betrifft! Es ist eine vollkommen unpassende Übersetzung des Wortes “hound”! Ein Köter ist ein verächtliches Wort für einen Hund, der sehr weit unten auf der Rangordnung steht und welches keinesfalls auf eine Gefährlichkeit hindeutet. Das Wort “hound” bedeutet etwas ganz anderes – worauf auch das abgeleitete Wort “hounded” hinweist, welches man mit “gehetzt” übersetzen kann. “hound” wird auch oft benutzt, wenn man etwas Übernatürliches bezeichnen will, zB “hell hound” “Höllenhund” auf deutsch. Man würde auch nie Conan Doyles “The Hound Of The Baskervilles” mit ” Der Köter der Baskervilles” übersetzen 😉
      Das Ganze verdeutlicht, dass Krege einfach das Gespür für die Feinheiten von Tolkiens Ausdrucksweise abging!

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    • Ich möchte mir den Hinweis erlauben, dass die Interpretation der Dominikaner als “Domini canes” (Hunde des Herrn) ein Wortspiel mit Bezug auf ihre inquisitorische Tätigkeit darstellt. Die Dominikaner heißen (umgangssprachlich) so nach ihrem Gründer, dem heiligen Dominikus. Die offizielle Bezeichnung des Ordens lautet “Ordo (fratrum) Praedicatorum”, abgekürzt OP, also Orden der Prediger(brüder). Quelle: Wikipedia

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  10. Ich habe LOTR in zwei einhalb Versionen gelesen: zunächst habe ich die alte deutsche Übersetzung gelesen, die mich damals sofort gefesselt und begeistert hat. Dann habe ich ca. zehn Jahre später die englische Originalversion gelesen. Dabei merkte ich, wie gut die ältere deutsche Version wirklich ist. Fast immer wird der richtige Ton getroffen, und die Namensübersetzungen oder die Bezeichnungen der vielen verschiedenen Kreaturen sind einfach wunderbar! Als dann die erste Krege-Version zu haben war, habe ich mir aus Neugier eine Ausgabe zugelegt, obwohl mir klar war, dass ich sie vermutlich nicht schätzen würde. Vielleicht war ich voreingenommen, aber ich war neugierig und ich wollte der Sache wenigstens eine Chance geben. Ich bin aber nicht sehr weit gekommen! Späestens als ich “…nölte Aragorn” las, hab ich das Buch in eine Ecke gepackt und erst wieder hervorgeholt, als meine jüngerer Sohn irgendwann danach fragte. Er hatte das Buch da schon in der alten deutschen Fassung und auch schon auf Englisch gelesen – und er fand die Krege-Version stellenweise grauenvoll, da die fantastische Atmosphäre der Handlung immer wieder durch einen unangemessenen Ausdruck zerstört wurde! Das Problem der Krege-Fassung hat viele Gesichter. Denn es ist im Grunde nur eine Pseudo-jugendliche Umgangssprache, die schnell wieder “out” ist und zudem tonal überhapt nicht Tolkiens Schreibstil trifft. Sollte genau das aber nicht das Ziel einer guten Übersetzung sein? Ich bin jedenfalls froh, dass die alte Übersetzung, die zeitweilig nur noch in Antiquariaten zu finden war, wieder zu haben ist. Denn es können ja nicht alle deutschsprachigen Leser auf die englische Originalversion ausweichen.
    Ich weiss ehrlich gesagt nicht, was sich Krege bei seiner Übersetzung gedacht hat. Allein das Ziel, so zu schreiben, wie Tolkien vermutlich im Jahr 1999 geschrieben hätte, ist hanebüchen, da keiner wissen kann, wie Tolkien im Jahr 1999 geschrieben hätte. Ich persönlich vermute allerdings, dass Tolkien ganz sicher nicht so geschrieben hätte, wie Krege vermutet. Vielleicht war es Krege auch einfach nur zu langweilig, eine gute Übersetzung abzuliefern, und er wollte etwas Eigenes schaffen. Vielleicht hätter er besser Loriots Jodeldiplom machen sollen 🙂

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  11. “»Herr« lässt auch mich eher an die Abhängigkeitsbeziehung im Feudalismus, als an eine Arbeitsbeziehung denken. Und eine solche sehe auch ich zwischen Frodo und Sam nicht. ”

    Das ist sehr interessant, da ich den HdR (Carroux) seinerzeit entdeckt habe, nachdem ich mit deutschen Märchen und germanischen Heldensagen in Kontakt gekommen war.
    Insofern habe ich in der Beziehung zwischen Frodo und Sam (bzw. den Beutlins und den Gamgees) eben genau jenen Standesunterschied empfunden, der über ein modernes Beschäftigungsverhältnis (“Chef”, Angestellter) hinausgeht, indem es den Kontext einer “Dienerschaft” aufbaut, wie sie in Nobel-Haushalten mindestens bis zur Jahrhundertwende durchaus bekannt waren und auch heute noch durch Literatur und Film bekannt ist (“Das Haus am Eaton Place”, “Der kleine Lord”,…).

    In Bezug zum Deutschen würden sich wohl alle Haare sträuben, wenn in “Heidi” der Diener Sebastian seinen Dienstherrn Stresemann ganz unvornehm als “Chef” ansprechen würde.

    “Master” wiederum verweigert schlichtweg die Übersetzung und ist insofern problematisch, da es im Deutschen häufig aus Erzählungen der Sklavenzeit bekannt ist.
    Eine Übersetzung als “Meister Frodo” wäre hier noch der beste Kompromiss, in Anlehnung an alte respektvolle Begrifflichkeiten, wie “Meister Lampe”.
    Aber ehrlich: Das “Herr” passt einfach besser. Respektvoll, vornehm, dem gesamten Setting der dargestellten, an das Mittelalter angelehnten Kultur entsprechend.

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  12. Natürlich handelt es sich bei Frodo und Sam um den Herren und seinen treuen Bediensteten. Bilbo ermöglicht den Gamshees in einer Hobbithöhle im Beutelhaldenweg zu wohnen, was er sich sonst kaum leisten könnte. Sie sind über zwei Generationen bei den Beutlins angestellt, die zu den wohlhabenden Hobbit-Familien gehören und mit den Tuks und Brandybocks verwandt sind, die den Thain stellen, der anstelle des Königs die Staatsgewalt inne hat. “Brandy-Schloss” sollte alles dazu sagen. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war es in England und Deutschland völlig normal einen Großgrundbesitzer “Gnädiger Herr” oder z.B. “Herr Frodo” zu nennen. Letzteres aber eher bei jüngeren oder vertrauten Vertretern.
    Genau das entspricht “Master” im Englischen. Meister sagt man nur im Handwerk (und dann ohne Namen) oder unter ehrbaren Bürgern auf Augenhöhe oder zu einem Menschen, dem man gefügig ist. “Chef” passt in diesem Zusammenhang nicht, außer im Modernen Sinne und der bezeichnet eben ein einfaches Arbeitsverhältnis. Der Herr eines Dieners ist diesem allerdings mehr verpflichtet und nahe als ein Arbeitgeber, der selbst arbeitet. Das ist Unsinn.
    “Herr” stimmt und wird, in seiner breiten Herunterbrechung im deutschen auf alle Herren über etwas und deren Diener/Schutzbefohlenen, dem Thema des Buches gerecht.

    Köter ist wirklich ein etwas schäbiges Wort für einen Warg. Und “Kusch” wird zu so einem Untier wohl nicht mal Gandalf sagen.

    Die Bezeichnung “schluck- und schlingfreudig” ist absolut unnötig und klingt arg seltsam, ebenso wie der “nöhlende” König. “Blank” hört sich als Beschreibung für Augen auch eher wunderlich an. Stahl oder andere leblose Oberflächen sind blank. Da hätte man abweichen sollen.

    Insgesamt hört sich Krege eher flapsig als helden- oder märchenhaft an.

    Tolkien war sehr bemüht, genau zu sein in seinem Werk, um Stimmung zu erzeugen.
    Vielleicht ist eine “neue” Übersetzung nicht nötig, vielleicht kam aber auch nur noch nicht die richtige.

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  13. Ich finde “Herr” als Übersetzung von “Master” absolut passend. Gerade auch vor dem Hintergrund des mittelalterlichen Settings von “Der Herr der Ringe”. Schließlich ist das Verhältnis von Sam zu Frodo so ähnlich wie z.B. das wie von Sancho Panza zu Don Quixote, den Sancho Panza ja, soweit ich weiß, im Original auch mit “maestro”, also “Meister” anspricht. “Chef” assoziiere ich eher mit Büro, vielleicht auch noch mit dem Anführer einer Rockerbande.

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  14. Vielen Dank für diesen tollen und klaren Artikel. Ich habe die Bücher tatsächlich noch nicht gelesen und bin mir jetzt sicher, dass ich die Übersetzung von Carroux kaufen werde. Die Übersetzung mag anhand der Beispiele vielleicht nüchterner klingen, die Übersetzung von Krege erscheint mir jedoch arg umgangssprachlich und unpassend für die Atmosphäre der Geschichte. Insofern freue ich mich, dass der Verlag gerade eine neue Auflage der Herr-der Ringe-Bücher mit Übersetzung von Carroux herausgebracht hat.

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  15. ich bin sehr dankbar für diesen artikel und weiß jetzt mit noch größerer sicherheit, dass ich für immer und ewig anhängerin der ursprünglichen übersetzung der frau carroux bleiben werde! ich habe ebenfalls der neuen übersetzung eine chance geben wollen und mir damals dieses machwerk angeschafft und es gelesen. wobei es so gründlich bei mir durchgefallen ist wie ein buch nur durchfallen kann, das sich anmaßt, als neuausgabe mein allzeit-favoritenbuch ablösen zu wollen. mit verwunderung stellte ich vorhin fest dass es anscheinend nochmal eine überarbeitung gab in 2012, die damals gänzlich an mir vorbei gegangen ist. im zuge der darauf folgenden recherche stieß ich auf diesen artikel hier, der mir fast in allen punkten aus dem herzen spricht. danke dafür!

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