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Film ab: »Phantastische Literatur – oder: wo sich die Geister scheiden«

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Florian Jung, Booktuber von Creepy-Creatures, hat sich in einem 27-minütigen Film mit der Frage beschäftigt, warum die Phantastik von Kritikern noch immer belächelt wird. Heute gibt er uns einen interessanten Einblick hinter die Entstehung des Film!

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Es hat mich immer gewundert, dass phantastische Literatur – nicht nur Fantasy, sondern eben auch Sci-Fi, Horror und andere Genre – so stiefmütterlich in den Medien behandelt werden. Es schien mir immer so, als würden die Bücher aus diesen Bereichen ignoriert. Egal in welches Medium man schaute: Es geht fast immer um vermeintliche Hochkultur. Ich habe im Internet nach Filmen gesucht, die sich mit dem Thema befassen: Warum findet Phantastik kein Gehör in den Fernsehsendungen, in Zeitungen und im Radio? Nachdem ich nichts gefunden habe, wollte ich das ändern und habe einen Film dazu gemacht.

Mit der Planung habe ich im März 2017 angefangen und die größten deutschen Zeitungen angeschrieben auf der Suche nach einem Feuilletonisten, der vor der Kamera ein Interview geben würde. Keine einzige Kulturredaktion war dazu bereit, einen ihrer festen Redakteure zu vermitteln. Es war dann Luzia Braun, langjährige »Aspekte« Moderatorin und heute stellvertretende Leiterin der Sendung, deren Einsatz ich es zu verdanken habe bei der Sendung »das literarische Quartett« dabei sein zu dürfen und den »Spiegel« Autor Volker Weidermann interviewen zu können.

Der nahm sich immerhin eine Viertelstunde Zeit, wobei ich gemerkt habe, dass ihm nicht nur das Thema Phantastik sondern auch ich als Buchblogger fremd war. Ich hätte mich gerne länger mit ihm unterhalten, aber die Neugierde war wohl eher einseitig. Spannend war auch die halbe Stunde im kleinen Saal des Berliner Ensemble, als ich bei der Tonprobe zwischen all den großen Kameras, Kränen und »echten« Kameraleuten dabei sein durfte. Eine entspannte, professionelle Atmosphäre, in der ich versucht habe möglichst wenig zu stören. Auch hier hat mich Frau Braun eingeschleust.

Phantastische Literatur – oder: wo sich die Geister scheiden

Dann war es klar, dass Autoren aus verschiedenen Genre dabei sein sollten. Der bekannteste ist wohl Bernhard Hennen, den ich schon mal am Rande des ersten PAN (Phantastik Autoren Netzwerk) Treffens 2016 in Köln getroffen hatte. Dank Thomas Finn, der selbst erfolgreich bei verschiedenen Verlagen Bücher zwischen Thriller, Mystery und Horror veröffentlicht und bei Bernhard Hennen nochmal nachfragte, hatte ich die ersten beiden Interviewpartner zusammen. Oliver Susami, ein Selfpublisher, der Gruselliteratur und dystopische Stoffe schreibt, wohnte Gott sei Dank in der Nähe und war auch dabei, hat sich in die Bahn gesetzt und mich zu Hause besucht.

Die Reise nach Berlin – und es war bald klar, dass ich die machen musste – musste organisiert und vor allem finanziert werden. Ich entschloss mich, auf einem Crowdfundingportal Spenden zu sammeln. Mein Ziel war es, mindestens die Hälfte der Reisekosten über Crowdfunding reinzubekommen. Tatsächlich hatte ich bereits nach zwei Wochen hundert Euro mehr beisammen, als es das Ziel gewesen war. Dass die ganze Reise dann doch deutlich teurer wurde, war mir da noch nicht bewusst. Aber sie war wichtig: FISCHER Tor durfte ich besuchen und mit einem Lektor sprechen; die Mitbegründering des PAN-Netzwerks Lena Falkenhagen wohnt in Berlin, und schließlich war da ja noch »das literarische Quartett« im Berliner Ensemble. In drei Tagen habe ich fünf Interviews gemacht – überall bin ich freundlich empfangen worden und merkte vor allem, dass meinen Interviewpartnern das Thema genauso am Herzen lag wie mir. Autoren, Verlagsleute und Branchenkenner stellten sich dieselben Fragen wie ich.

Was ich aus den Gesprächen mitgenommen habe ist, dass die Autoren sich gegenseitig unterstützen, sich gegenseitig Mut machen und nicht etwa darauf schielen, wer nun erfolgreicher ist. Das Wissen, dass sie alle gemeinsam für Phantastik brennen, schweißt zusammen. Das hat sich auch auf mich als außenstehender BookTuber ausgeweitet und ich bin bis heute sehr dankbar für die Mithilfe aller Beteiligter, die zum Teil richtige Anstrengungen auf sich genommen haben um mir den Film zu ermöglichen.

Phantastische Literatur – oder: wo sich die Geister scheiden

Ich habe viel Unterstützung erfahren. Die Crowdfunding-Spender waren genauso gespannt wie ich und haben Geld gegeben ohne zu wissen, wie der Film am Ende werden würde. Ohne deren Unterstützung, ohne die Hilfe der Autoren, die sich alle gerne einen halben Tag für mich Zeit genommen haben, und ohne die Unterstützung durch das ZDF wäre dieser Film nicht möglich gewesen. Man stellt sich das so einfach vor: Kamera einpacken, an der Tür klopfen und dann geht’s los. Aber die Organisation und Terminfindung war gar nicht so einfach. Thomas Finn wohnt in Hamburg und war Gott sei Dank so freundlich während eines Aufenthalts in Köln MICH in Bonn zu besuchen. Dafür habe ich dann meine ganzen Kochkünste (die sich vor allem auf kalte Küche beschränken) hervorgeholt und es war ein spannender Abend mit tollen Gesprächen – auch als die Kamera schon aus war. Ich hatte darauf gehofft, ehrliche und authentische Menschen zu treffen und jeder einzelne war das auch. Bis auf Volker Weidermann waren das keine professionellen Presse-Gespräche die nach zehn Minuten und kurzem Handschlag vorbei waren, sondern da war tatsächlich Neugierde und gegenseitiges Interesse – das hat mich sehr gefreut.

Im Nachhinein habe ich dann doch mal die Kosten überschlagen: Über 2.000€ hat der Film gekostet, 340,-€ sind über Crowdfunding reingekommen. Ich hoffe nun, dass ich zumindest irgendwann durch das Teilen des Films und nachträgliche Spenden (die erste kam bereits einen Tag nach Veröffentlichung des Films) zumindest wieder auf Null komme. Ich find’s einfach wichtig, dass auch solche Filme entstehen. Im Fernsehen haben sie keine Chance, da schon in den Redaktionen solche Filmideen abgelehnt werden. So hat es nun geklappt, wenngleich ich nun erstmal ein bisschen ausruhen muss.

Ich hoffe, dass der Film interessiert, informiert und auch den Weg zu Menschen findet, die mit Phantastik bisher nichts anfangen konnten, denn für die ist der Film genauso wie für die Fans von Horror, Sci-Fi und Co.

Vielen Dank Florian Jung, für den spannenden Blick hinter die Kamera!

Ihr wollt mehr über Florian Jung erfahren? Hier geht’s zu seinem Blog!

 

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