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Mach Mit! – Unser zweiter Platz: Feier mit Bilbo und Frodo Geburtstag

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Nachdem wir euch gestern den ersten Platz unserer Mach Mit! – Aktion präsentiert haben, wollen wir euch heute noch die zweitplatzierte Lektüre vorstellen. Felix Schaper hat sich überlegt, welchen Geburtstag die Hobbits gestern gefeiert haben, also lange nachdem der Ring erfolgreich zerstört wurde und lässt uns ein freudvolles Wiedersehen erleben.

***

Doch wie ich da so sitz und denk,
Da horch ich unverwandt
Nach lieben Schritten an der Tür
Und Stimmen wohlbekannt.1

»Heute ist mein 192ter Geburtstag, wenn ich mich nicht verzählt habe. Ich weiß, dass es nicht typisch erscheint, ein so hohes Alter zu erreichen, aber wie ihr sicherlich erfahren habt, bin ich, Bilbo Beutlin, im Laufe meines Lebens in etwas… sagen wir mal andere Sachen verstrickt gewesen als es sich für einen Hobbit normalerweise gehört. Schon damals galt ich für den einen oder anderen Auenländer als ein merkwürdiger Hobbit, da ich die Frechheit besaß, oder besser gesagt: aufgrund eines sehr unnachgiebigen Zauberers die Frechheit besitzen musste um ehrlich zu sein, das Auenland zu verlassen. Damals dachte ich genauso wie ihr und war von mir selber empört. Doch irgendwann stellte sich ein Umdenken bei mir ein, wozu ich allerdings Hilfe benötigte. Allerdings bin ich im Grunde auf keinerlei Weise anders als Ihr, meine Freunde, eine wohltuende Mahlzeit und einen schönen Krug Bier schätze ich genauso sehr, wenn nicht sogar noch mehr als Ihr das macht. Aber erst, wenn man sich in die Welt wagt und neue Wege beschreitet, dann ändert sich die Meinung von Tag zu Tag und gerade im Nachhinein weiß man diese Zeit so zu schätzen und ich bereue es keineswegs damals von hier fortgegangen zu sein. Ich sehne mich nach so viel davon. Ich denke…«
Viele Gäste, die zu diesem besonderen Anlass eingeladen worden waren (Es befanden sich traditionell immer so viele Gäste anwesend, damit am Ende die Zahl Bilbos Geburtstags erreicht wurde.), saßen nicht sonderlich still und aufmerksam da, um dem alten Bilbo zu lauschen, sondern flüsterten meckernd immer mal wieder. »Der schwafelt jedes Jahr das gleiche Zeug«, meinte jemand. »Und jedes Jahr wird es detailreicher als im Jahr zuvor«, ergänzte ein anderer. So manch einer saß im Gegensatz dazu jedoch so still da, dass er kurz davor stand einzuschlafen. Magda Hornbläser pickte ihrem Mann Toboldo immer wieder in seinen runden Bauch, damit er vor Müdigkeit nicht vom Stuhl fiel. Ihm selber behagte das aber so gar nicht und er löste lediglich die bequeme Verschränkung seiner Arme, um beim nächsten Mal ihren Finger zu schnappen.

Seit Bilbo Beutlin wieder hier im Auenland war, gab er Jahr ein, Jahr aus eine Geburtstagsfeier bombastischen Ausmaßes. Natürlich war so eine Feier für Hobbits immer etwas ganz besonderes und für sie war eine der größten Wichtigkeiten in Bezug auf Bilbos Geburtstag neben den Geschenken dauerhaft die Frage, wer denn der Nächste sein durfte, der an diesem Geburtstag teilhaben durfte und jedes Mal kam es zu neuen Vorwürfen in Richtung Bilbo. »Wieso darf dieses Jahr der Sohn des Straffgürtels dabei sein und nicht mein Odovacar?«,  warf das Familienoberhaupt  der Bolgers, Reul Bolger beispielsweise dauernd ein, sobald Bilbo in seiner Hörweite war, obwohl es aufgrund von Gästen aus dem Fremdland dieses Jahr sowieso viele Änderungen auf der Gästeliste gab, konnte er das nicht nachvollziehen. Viele Hobbits kamen jedoch auch ohne Einladung zu diesem Fest und wurden auch nicht wirklich vertrieben. Bilbo amüsierte sich auch darüber, dass Reul Bolger sich sogar auf dem Fest so laut beschwerte, obwohl sein nicht geladener Sohn Odovacar direkt neben ihm stand.

Die meisten der Hobbits, die an diesem Fest teilnahmen, waren der festen Überzeugung, dass dieser Bilbo Beutlin ein Betrüger sei, der einfach nur mit dem Namen einer alten, sagenumwobenen Legende des Auenlands Aufmerksamkeit erregen und sich abheben wollte. Solch ein Verhalten behagte den Hobbits nicht, denn wer zu viel Aufmerksamkeit möchte und dann auch noch den Namen eines Hobbits, den ja nun wirklich jeder kannte, benutzte, der war ein Tunichtgut und zuletzt würde das kein gutes Ende mit ihm nehmen. Bei dem Geburtstag dabei sein, wollten sie jedoch alle.

Da heutzutage aber kaum noch jemand unter den Hobbits weilte, der den richtigen, originalen Bilbo Beutlin je zu Gesicht bekommen hatte, war es schwer zu beweisen, ob es sich nun um einen Betrüger handelte oder nicht. Manche störten sich daran auch nicht, denn solange es an seinem Geburtstag Geschenke für alle gab, waren sie zufrieden. Was manche zum Nachdenken verleitete, war die Begleitung, die er hatte, als er urplötzlich und wie aus dem nichts im Auenland „wieder“ auftauchte. Doch an Frodo Beutlin konnten sich schon noch Leute erinnern. Für den inzwischen alten Boff Stolzfuß war es beinahe einmal in der Woche das große Thema im Gasthaus Zum Grünen Drachen. »Ich kann mich noch heute daran erinnern, als wäre es gestern gewesen, als der Herr Frodo das erste Mal Beutelsend für längere Zeit verließ. Ich war gerade mal 4 Jahre jung und mit meinen Vater Pancho im Garten, um Grabungsarbeiten für ein groß angelegtes Projekt zu planen und der Herr Frodo brach mit Meister Sam Gamdschie, den ich bis heute als besten Bürgermeister in Erinnerung behalte, den wir je hatten und dem Herrn Tuk von Beutelsend auf. Wir befanden uns also im Garten und schauten den Beutelhalden Weg hinauf, weil dort diese große, schwarze Gestalt bei den Gamdschies mit dem alten Ohm sprach und anscheinend zu dem Herrn Frodo wollte. Mein Vater sagte mir: >Junge, nimm dich vor diesen Beutlins in Acht, die stecken immer in Ärgernissen und plötzlich steht der Schwarze Mann vor deiner Tür, der dich zur Rechenschaft zieht für Abenteuer und allein Gedanken an solche.< Wir dachten den Herrn Frodo das letzte Mal gesehen zu haben, weil er nach dieser Nacht wirklich lange weggewesen ist. Auch wenn er an diesen Tag sowieso nach Krickloch gezogen wäre. Doch Jahre später tauchte er nochmal für kurze Zeit hier auf und wohnte wieder in Beutelsend. Aber ich garantiere euch, der hier ist der echte Herr Frodo, der hier aufgetaucht ist und deshalb bin ich der festen Überzeugung, dass es sich auch um den echten Herrn Bilbo handelt. Es mag ja sein, dass die beiden möglicherweise von den Elben den Trick der Unsterblichkeit gelernt haben, wissen tut man das nicht sag ich euch.« Daraufhin holte er Luft und trank er erstmal wieder aus seinem Bierkrug. »Den Trick der Unsterblichkeit?« fragte Halm Schaper aus Froschmoorstetten ihn plötzlich unglaubwürdig und auch die anderen in der Runde waren leicht verwirrt, der eine oder andere aber sogar fasziniert von dieser Vorstellung den Trick der Unsterblichkeit zu erlernen. »Natürlich,« erwiderte Boff. »Oder wie erklärt ihr euch dieses plötzliche Erscheinen der beiden nach so vielen Jahren?« Schaper lachte einmal herzlich auf und sagte nach einem weiteren Schluck Bier lauter als nötig. »Ganz einfach, die beiden sind Betrüger, die mit den Namen von alten Hobbits ihr Geld machen und Aufmerksamkeit  erregen wollen. Da ist nichts mit der angeblichen Unsterblichkeit, die sie von den schönen Volk haben, lediglich Betrug.« Der gute Halm Schaper hatte heute schon seinen fünften Bierkrug und legte nun seinen Kopf auf den Tisch, bekam aber zuvor noch zustimmendes Nicken von dem Großteil der Anwesenden. »Ich weiß doch was ich gesehen habe, Halm. Bleib du lieber bei den Sachen, die du kannst. Als Gärtner kann man dich gebrauchen, aber ansonsten bist du jemand, der alles nur schlecht redet, du alter Meckerzausel.« Es gab leichtes Gelächter aus der Runde und Halm Schaper erwiderte nur noch mit einem Gebrummel in Richtung des Fußbodens, was man nicht wirklich verstand und Boff Straffgürtel fühlte sich bestätigt.

Aber entgegen aller Verschwörungstheorien, die den beiden Beutlins entgegengebracht wurde, mussten viele zugeben, dass Frodo und Bilbo sehr über die Vergangenheit, in der sie gelebt haben sollen, im Bilde waren. Frodo wusste ziemlich viel über die Großeltern der meisten Auenländer, insbesondere eigentlich verloren geglaubte Familiengeheimnisse und Bilbos Wissensspektrum reichte sogar noch eine Generation weiter zurück, was aber eigentlich keiner mehr bestätigen konnte. Manche freuten sich darüber mehr über Hobbits dieser alten Generation zu hören und bekamen nicht genug von den Geschichten, andere wiederum überhaupt nicht und schämten sich sogar.

Doch wenn es zum Tag des Geburtstag von Herrn Bilbo und Herrn Frodo kam (Der ja bekanntlich an genau demselben Tag wie Bilbo Geburtstag hatte, es jedoch nicht so notwendig fand, immer alle darauf hinzuweisen.) war die Stimmung sehr euphorisch. Alle hofften stets auch im nächsten Jahr wieder teilnehmen zu können, denn die Beutlins zogen ihren Geburtstag immer so groß auf, als sei es ein über das ganze Auenland bekannter Feiertag, was er inzwischen auch geworden zu sein schien. Dadurch wurden natürlich Gerüchte laut, dass sie da, wo sie herzukommen schienen, sehr viel Gold und andere Schätze hatten, die sie jetzt hierher mitbrachten. Solche Veranstaltungen kosteten schließlich einiges.
Es war jedes Jahr aufs Neue ein riesiges Spektakel und selbst für die Hobbits, die diese beiden Beutlins nicht als glaubwürdig einstuften, war es wichtig auf diesem Geburtstag anwesend zu sein, schließlich zeigt es, dass man wichtig war und an einen gedacht wurde. Das ist natürlich auch der Grund, warum jeder so viele Familienmitglieder wie nur möglich dabei haben wollte.

»…deshalb freue ich mich so, heute wieder unter euch Hobbits zu verweilen.« Es gab lauten Applaus für Herrn Bilbos Rede, da es sein Schlusswort zu sein schien. Die meisten warteten inzwischen darauf, dass dieses hervorragende Essen, was jedes Jahr aufgetischt wurde, hergebracht wurde. Sie hofften auch allesamt, dass Herr Bilbo nicht plötzlich wieder mit seinen Gedichten anfing. Sie wussten zwar nicht, ob der echte Bilbo auch so vernarrt gewesen war in Gedichte, aber der Bilbo, der vor ihnen stand, konnte es sich eigentlich nie verkneifen. In diesem Zusammenhang war der Herr Frodo um einiges beliebter. Er hielt sich lieber im Hintergrund und musste nie im Mittelpunkt stehen wie sein werter Herr Onkel.

Bilbo verharrte einen Augenblick auf der Bühne unter dem Festbaum, die extra zu seinem Geburtstag wieder errichtet worden war und blickte in die riesige Versammlung, die sich über die ganze Festwiese verteilte. Nach kurzer Zeit nickte er langsam mit einem zufriedenen Gesicht und schritt von der Bühne. Viele trauten dem Frieden nicht, insbesondere, weil er letztes Jahr kurze Zeit nach seiner Rede wieder auf die Bühne trat, um doch noch ein Gedicht aufzusagen. Aber dieses Mal schien seine Rede wirklich beendet und er trat zu den kleinsten Hobbits und fing an ihnen von einem großen Drachen zu erzählen, da er es Ihnen vorhin versprochen hatte.

Die Bedeutsamkeit dieses Tages wurde auch durch die Präsenz von hohen Persönlichkeiten bestätigt. So waren nicht nur die Erben des Hauses Tuk, Brandybok und die ganze Großfamilie Gamdschie anwesend, sondern traf man dieses Jahr auch zum ersten Mal die großen Menschen hier an. Der angebliche Sohn vom König der Menschen namens Eldarion war zugegen, doch nicht nur der alte Halm Schaper war der Meinung, dass es sich wohl nicht um den echten Thronerben der Menschen mit seinem Gefolge, sondern nur um einen Betrüger mit seiner Bande handeln konnte, denn was sollte ihn dazu veranlassen sich hier blicken lassen? Ob es nun der echte Sohn des Königs war oder am Ende nur ein engagierter Theaterspieler der Beutlins schien den Hobbits dennoch einigermaßen egal. Zwar war es normalerweise allgemein bekannt, dass es den Menschen nicht gestattet war im Auenland zu wandeln nach dem Gesetz von König Elessar. Doch dieses Mal wurde anscheinend eine Ausnahme gemacht, was wiederum dagegen sprach, dass sie Betrüger waren.
Die Anwesenheit des angeblichen Thronerbens sorgte auf jeden Fall für mächtig Gesprächsstoff. Die Hobbits, die sich unwohl fühlten, probierten etwas zu unternehmen. Es ging nämlich sogar soweit, dass jemand Büttel Weißfuß aufforderte zu handeln oder wenigstens etwas herauszufinden, doch dieser war im Gegensatz zu seinem einst sehr repräsentativ auftretenden Großvaters, dem Alten Mehlkloß, nicht gerade erpicht darauf, als Büttel hier einzugreifen, da er in ein Gespräch mit einigen Damen vertieft war.

Dieses Mal zählten auch eine Handvoll Elben aus Ithilien zu den Gästen, die ursprünglich mal aus Eryn Lasgalen stammten, aber irgendwann umgesiedelt sind. Ebenso waren viele Zwerge aus Aglarond, den glitzernden Grotten, die in Rohan liegen, zugegen, die von einem alten Zwerg angeführt wurden, der sich aber entgegen aller Voraussicht von vornherein an den führenden Elben aus Eryn Lasgalen hielt und mit diesem sehr in freudige Gespräche verwickelt war, an denen sich auch Frodo ausgiebig beteiligte. Sie schienen sich prächtig zu unterhalten, als würden sie sich über alte Zeiten und Abenteuer austauschen. So aufgeweckt und fröhlich hatte man Frodo seit seiner Rückkehr nicht mehr erlebt.

Vor Ort war auch ein sehr alter Freund von Herrn Frodo, dessen Zugehörigkeit man nicht wirklich zuordnen konnte. Er wirkte wie ein Hobbit, doch war er um einiges größer, aber wiederum nicht so groß wie ein Mensch. Er hatte gelbe Schuhe an und schien dauerhaft auf seine eigene, merkwürdige Art herumzublödeln. Der Mann wirkte auf die Hobbits beinahe wie ein Einheimischer, der seinen Wald zum allerersten Mal wirklich verlassen hatte. Auch sein Hut wurde gängiger Hobbitmode nicht gerecht  und er wurde von seiner Gattin, einer Schönheit, die er nur Goldbeere nannte, begleitet. Die Meisten runzelten einfach nur die Stirn bei seinem Anblick, aber schienen ihn dennoch zu dulden, da er herzensgut erschien und niemanden etwas Böses wollte. Gerade die Kinder erfreuten sich seiner Anwesenheit, da er viel zu erzählen wusste und durch seinen eigenen Humor die Geschichten über beispielsweise einen seiner Ruderausflüge für beste Unterhaltung sorgten.

Alle schienen auf ihre eigene Art und Weise einfach zufrieden zu sein. Das Leben schien seinen vorherbestimmten Lauf zu nehmen und der Geburtstag war das Ereignis, welches sich alle erhofft hatten. Unterbrochen wurden die Gespräche lediglich für einen kurzen Moment, als es plötzlich still wurde, weil eine große Gestalt unter dem Festbaum im Dunkeln stand.
Sie stand dort in einem langen Umhang gekleidet, der im Schatten schwarz wirkte und die Gestalt sprach mit lauter durchdringender Stimme den gerade unglücklich nahen, alten Halm Schaper und seinen Freund Knutes Amos an, sodass alle Anwesenden verstummten und hinblickten. »Ich bin auf der Suche nach den Beutlins. Wo finde ich die beiden?« Halm Schaper begann augenblicklich zu schwitzen und tat dann so, als wäre er nicht angesprochen worden und ging angsterfüllt einfach so weit weg wie es ging. Amos schaute voller Erstaunen auf den Fremden. Auch die anderen Blicke richteten sich nun auf diese Person, die aus dem Schatten trat und deren Gewand nun mehr grau und weiß wirkte als schwarz. »Gandalf!«, rief Frodo urplötzlich und lief auf den Zauberer zu.
Gandalf war ebenfalls eine Gestalt, von der die Hobbit nur aus alten Geschichten wussten. Der Zauberer grinste breit, als er Frodos Blick begegnete und die beiden umarmten sich herzlich. Bilbo kam ebenfalls dazu, hatte Tränen in den Augen, weil er wohl augenblicklich in Erinnerungen schwelgte und sich so über den Zauberer freute. »Es kostete mich einige Überzeugungskraft, dass auch ich noch mal zurückkehren konnte, aber zu Frodos und Bilbos 192. Geburtstag musste ich schon alles mir mögliche versuchen. Zudem bin ich mir bewusst, dass es auch auf anderen, einigen hier Anwesenden unbekannten Ebenen zu einen Jubiläum kommen wird, welches aber auch standesgemäß gewürdigt wird.« Lachend vor Freude setzte er sich seinen Hut nun auf und Frodo und Bilbo stimmten ins Gelächter mit ein, auch wenn sie nicht wussten, worauf er hinaus wollte, aber sein Anblick allein war mehr als genug. Der angebliche Sohn des Menschenkönigs namens Eldarion gesellte sich nun hinzu. Die Blicke ruhten ausnahmslos auf diesem Mann, der durch seine Ausstrahlung allein schon königlich wirkte, doch als er nun mit erhobenen Stimme sprach, waren wohl alle Kritiker eines Besseren belehrt. Das Selbstvertrauen war ohne jeden Zweifel königlich. »Es stimmt also, was mein Vater mir zu erzählen hat, über Mithrandir, über Incánus, über Tharkûn… über Gandalf!« Es herrschte Stille nach diesem Satz, selbst der sehr alte Bilbo, der eigentlich immer etwas zu sagen hatte, blieb stumm und schaute vom König zum Zauberer. Der alte Zwerg und der Elb, die nicht auseinander zu bringen schienen, erhoben sich auch von ihren Stühlen und lenkten ihren Blick auf den Mittelpunkt des Geschehens. »Euer Vater ist ein großer Mann, wenn nicht gar der größte Mann der Dunedain, der je in Mittelerde gewandelt ist. Bestätigt wird dies durch die Tatsache, dass er seinem Gesetz treu bleibt und das Auenland nicht betritt. Dass es ausgerechnet sein närrischer Sohn sein muss, der dieses Gesetz bricht, ist schon einzigartig. Aber da ich selber noch einmal zurückgekehrt bin, kann ich euch schlecht Vorwürfe machen. Wenn ihr mögt, könnt ihr mir nun also erzählen, was er euch über mich erzählt hat, um die Neugier dieser Hobbits wenigstens etwas zu mindern, Eldarion Elessars Sohn.« Eldarion blickte dem alten Mann ins Gesicht ohne eine Miene zu verziehen und das wurde ihm von seinem Gegenüber gleichgetan.  Bis zu dem Zeitpunkt wo sich die Mundwinkel von Eldarion hochzogen und er zum Besten gab: »Mein Vater, König Elessar, sagte einst, dass Gandalf der Zauberer stets in Rätseln spricht, obwohl er selbst stets wusste, was gemeint war, ohne es direkt auszusprechen und selbst seine Verbündeten gerne im Dunkeln tappen ließ, aber immer zur rechten Zeit am rechten Ort war.« Die Stille hielt noch einen Moment an, bis Gandalf wieder anfing zu lachen und dann nahm er Eldarion in den Arm, der nun ebenfalls lauthals zu lachen begann. Der bekannte Hobbit Hobby Zeichner Alan Leetlin nahm sich sofort seinen Skizzenbogen zur Hand und wollte diesen Moment später für die Ewigkeit festhalten.

»Ich denke, dass dieses Mal unser Geburtstag noch wundervoller und wertvoller ist als jemals zuvor,« gab Bilbo lauthals bekannt. »Darauf möchte ich gerne ein Gedicht aufsagen, welches mir vorhin leider entglitten ist und ihr mir das entschuldigen müsst, schließlich bin ich nicht mehr der Jüngste.« Plötzlich hörte man ein lautes Seufzen und Halm Schaper war wieder da, der einfach nur abwinkte, weil es etwas zu meckern gab und das schließlich sein Fachgebiet zu sein schien.

Der Großteil der Hobbits war aber dieses Mal sehr interessiert, das Gedicht des alten Bilbos zu hören. Frodo unterhielt sich im Laufe des Abends noch viel mit Gandalf, aber blieb wie gewöhnlich eher ruhig im Vergleich zu seinem Onkel Bilbo, der sich nochmals auf die Bühne traute trotz des Bieres, was ihn inzwischen etwas durcheinander brachte. Dennoch schien es auch ihm an nichts zu fehlen in diesem Jahr. Der Gesprächsstoff sollte im Auenland für die nächsten Wochen, wenn nicht sogar Jahre reichen. Die Geschenke waren an alle eingeladenen Gäste, wie es sich gehört, verschenkt worden und das aller Wichtigste: Es gab mehr als genug Bier und Essen für alle Hobbits. Zur Krönung des Abends sorgte Gandalf noch für ein großes Feuerwerk mit allem, was dazu gehört. In wundervollen Farben und allen möglichen Formen wurden Olifantenmäuler und andere Gestalten dargestellt, aber auch ein gigantischer Drache zählte dazu. Zur Verwirrung aller Hobbits schaffte Gandalf es ein riesiges  Auge zu präsentieren, welches aber dann plötzlich mit einem ohrenbetäubenden Knall verpuffte und sich danach Erleichterung breit machte. Frodo entlockte es als ersten ein Lächeln.

Das Auenland schien zufrieden zu sein, voll von Friede und Glückseligkeit. Dennoch gab es sehr viele Hobbits, die sich gerne noch mehr Geschichten angehört hätten, die etwas über „einen neue Schatten“ berichteten, da ihr Durst nach Geschichten unersättlich war. Aber im Grunde waren sie natürlich froh, dass ihnen keine Gefahr drohte, denn am Ende wollen doch alle, dass alles so blieb, wie es war. Seit diesem Saruman war im Auenland Eru (wie die Elben sagen würden) sei dank nichts Schlimmes mehr geschehen und das Leben hatte sich wieder normalisiert und die größte Aktivität der Hobbits war das Bullenrassler Golf, welches sich für Hobbitverhältnisse als äußerst schweißtreibend erweisen kann.

Ob nun laut zusammen im Chor mit Freunden oder alleine in Gedanken: Auf dem Nachhauseweg wiederholten viele noch das Gedicht, welches Bilbo ja dann doch noch vorgetragen hatte, als es ihm wieder einfiel und waren zuletzt doch froh, dass er es noch aufgesagt hatte.

Am Feuer sitze ich und denk
An alles, was ich sah,
Und Sommerzeit und Falterflug
Von einst sind wieder da,

Altweiberfäden, gelbes Laub
Im Herbst, der damals war,
Mit Morgendunst und blassem Licht
Und Wind auf meinem Haar.

Am Feuer sitze ich und denk,
Die Welt ist wunderlich,
Folgt auf den Winter doch der Lenz-
Dereinst nicht mehr für mich.

So vieles gibt es immer noch,
Das hab ich nie gesehn,
Ist anders doch in jedem Jahr
Das Grün des Frühlings schön.

An viele Leute denk ich da,
Die sind schon längst nicht mehr;
Wird nach mir noch so mancher sein,
Der kümmert mich nicht sehr.

Doch wie ich da so sitz und denk,
Da horch ich unverwandt
Nach lieben Schritten an der Tür
Und Stimmen wohlbekannt.1

***

1 Das Gedicht stammt aus »Der Herr der Ringe« von J. R. R. Tolkien, übersetzt von Margaret Carroux. Gedichte übersetzt von E.-M. von Freymann. ISBN 978-3-608-93828-9.

 

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2 Kommentare zu “Mach Mit! – Unser zweiter Platz: Feier mit Bilbo und Frodo Geburtstag

  1. Eine sehr schöne Geschichte, die gut geschrieben, amüsant und lebhaft rüberkommt. Es machte großen Spaß sie zu lesen :) Für mich wäre sie auch ein Kandidat für den ersten Platz gewesen.

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