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Mach Mit! – Gewinner: Feier mit Bilbo und Frodo Geburtstag

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Die letzten Vorbereitungen für ein rauschendes Fest in Beutelsend neigen sich dem Ende und wir freuen uns, euch endlich den Gewinnerbeitrag unserer Aktion Mach Mit! präsentieren zu können. Unsere Gewinnerin Melanie Friedel erhält die bald erscheinende illustrierte Ausgabe der »Herr der Ringe«-Trilogie in der Übersetzung von Margaret Carroux. Unser Zweit- sowie unsere beiden Drittplatzierten können sich über Gutscheine für Bücher aus unserem Verlag freuen.

Aber genug der Vorrede, wir möchten euch den unterhaltsamen ersten Platz nicht länger vorenthalten! Die Erzählung berichtet von den Ereignissen einen Tag vor Bilbos 111. Geburtstag.

***

Eine äußerst seltsame Nachricht von Melanie Friedel

POCH! POCH! POCH!, dröhnte es vernehmlich von der Haustüre.
»Ja doch«, antwortete Bilbo Beutlin gereizt, wuselte zur Tür und öffnete. Ein Postbote hielt ihm einen hellbraunen Briefumschlag unter die Nase.
»Warum wirfst du es nicht, wie all die anderen Briefe, durch den Schlitz in der Tür?«
»Nur persönliche Übergabe! Extra so gefordert«, bellte der Briefträger.
»Schon gut, schon gut«, murmelte Bilbo und nahm das Kuvert in die eine, die Feder zur Empfangsbestätigung in die andere Hand. Nachdem er seinen Namen auf die Liste gekritzelt hatte, scheuchte er den Boten weiter. »Und jetzt keine Störungen mehr, wenn ich bitten darf!«
»Extra so gefordert«, brummelte Bilbo und betrachtete den Umschlag genauer. Einen Absender fand er jedoch nicht. Er ging in sein Arbeitszimmer, griff nach dem goldenen Brieföffner und schnitt das Kuvert auf. Statt eines Briefes hielt er unscheinbares Zettelchen in der Hand. In einer feinen, schwungvollen Schrift stand dort:

›Nach der Gartentüre links, aber nicht zu weit.
Halt die Augen offen, du bist doch blitzgescheit!
Dann siehst du auch, wie es weitergeht,
es sei denn, du hast die nächste Nachricht verfehlt.‹

Bilbo kratzte sich nachdenklich am Kinn. Das ist weder eine Zu- noch eine Absage zu meiner Feier. Es steht keinerlei höfliches Geplänkel darauf, geschweige denn eine Unterschrift! Das kann ja wohl nur ein fader Scherz sein.
Und im nächsten Moment verschwand diese dubiose Anleitung ebenso scherzhaft im Kaminfeuer. Den Text verdrängte Bilbo in die hintersten Ecken seiner Gedanken und begann emsig, die restlichen Geschenke an die geladenen Gäste zu verpacken.
Stunden später, die Sonne lachte durchs Fenster und wärmte sanft Bilbos Hände, die sich eben noch unermüdlich durch raschelndes Geschenkpapier und Schleifchen gewühlt hatten, trat Gandalf in die Stube. Er erkundigte sich, ob die letzten Vorbereitungen für die große Feier morgen zur Zufriedenheit verliefen oder ob er etwas helfen könnte.
»Sehr gerne! Frodo lässt sich überhaupt nicht blicken. Selbst beim Frühstück war er nicht da! Das sieht ihm gar nicht ähnlich.«
»Wahrhaftig! Das ist man von einem Hobbit eigentlich nicht gewohnt. Selbst wenn er mit verstopfter Nase im Bett liegt und rein gar nichts schmecken würde, trifft das nie zu«, erwiderte der Zauberer schmunzelnd und Bilbo schaute ihn fragend an.
»Möchtest du mit mir zu Mittag essen?«, sagte der schnell und Gandalf nahm das Angebot nur zu gerne an. Bilbo verschwand daraufhin in der Küche, wo er eine vorbereitete Pastete zum Aufwärmen in den Ofen schob, während Gandalf ihm folgte und sich auf die Bank setzte. Im Nu war der Tisch reichlich gedeckt und der Duft nach Hühnerleberpastete mit Gartenkräutern breitete sich in der Höhle aus.
»Bitte, bediene dich. Ach, selbst eines seiner Lieblingsgerichte verpasst er jetzt.« Bilbo wirkte sichtlich bedrückt. »Ihm wird doch nichts geschehen sein?«
»Aber, aber mein lieber Bilbo! Wieso das denn?«, schmatzte der Zauberer.
Und da berichtete ihm der Hobbit von dieser seltsamen Nachricht.
Als er geendet hatte, zog der Zauberer seine Pfeife aus dem Umhang, stopfte Langgrundblatt hinein und sah ihn dabei streng an. »Das hast du einfach so verbrannt?«
Bilbo wurde bleich. »Es war ja nur irgendeine Narretei«, piepste er und fühlte sich prompt elend. Flugs sprang er von seinem Stuhl auf und tigerte in der Küche auf und ab. Gandalf betrachtete ihn schweigend und schmauchend.
Mittlerweile umhüllte eine stattliche Rauchwolke den Zauberer, als der sich räusperte: »Bevor du deinen Küchenboden umpflügst, solltest du lieber herausfinden, was hinter dieser Nachricht steckt.«
Bilbo stoppte abrupt. »Und all die Vorbereitungen? So vieles ist bis morgen noch zu tun…«, jammerte er und warf die Arme in die Luft. Gleichzeitig ärgerte er sich mächtig, dass er den Zettel ins Feuer geworfen hatte, anstatt der Sache auf den Grund zu gehen. Plötzlich wurde ihm ganz mulmig.
»Wenn du schon so redest, dann ist da mehr dahinter«, wisperte er. »Und Frodo ist nicht hier. Gandalf, das gefällt mir gar nicht!«
»Ich denke, du bildest dir etwas ein, wo gar nichts ist,« antwortete dieser, aber Bilbo schnaubte nur. Und ehe Gandalf sich versah, eilte sein Freund aus der Küche, schnappte sich Wanderstock und Umhang, seine Hand drehte bereits den Türknauf, als er noch einmal innehielt.
»Gandalf?«, fragte er vorsichtig. »Könntest du dich bitte um die restlichen Punkte auf meiner Liste kümmern?«
»Hmm«, brummte es aus der Küche.
»Danke.« Krachend fiel die Haustüre ins Schloss.

Bilbo bog am Gartentor links ab und lief den restlichen Hügel hinauf. Sein Blick fiel auf die knorrige Buche am Ende des Weges. Irgendetwas war an dem Baum heute anders. Die Blätter rauschten gleichmäßig im milden Spätsommerwind, aber ein braunes, seltsam akkurates Blatt, tänzelte munter hin und her.
Wieder ein Hinweis! Unruhig riss er das Kuvert auf und las:

›Den Bühl hinauf,
die Aussicht: so schön!
Willst du ihn wiedersehn?
Dann musst du nun den Hang hinuntergehn.‹

Grundgütiger! Irgendwer hat Frodo! Und ich sitz daheim und grübele über Geschenkverpackungen.

Querfeldein rauschte Bilbo abwärts und näherte sich der Festwiese. Zwerge und Hobbits bauten gerade die Zelte auf, unterbrachen ihr Tun und blickten ihm erwartungsvoll entgegen. Als von dem angehenden Jubilar nur noch eine Staubwolke zu sehen war, schauten sie untereinander in verwirrte Gesichter. Letzten Endes zuckten sie mit den Schultern und arbeiteten weiter. Es handelte sich schließlich um Bilbo Beutlin! Seltsames Verhalten gehörte zu ihm wie Tabak in die Pfeife.
Vor lauter Rastlosigkeit hätte Bilbo um ein Haar die nächste Nachricht übersehen. An der Kreuzung in Hobbingen wollte er instinktiv nach rechts abbiegen, als ihn Hufgetrappel und mächtiges Geschrei zusammenzucken ließen. Er schaffte es gerade noch hinter dem Busch beim Wegweiser in Deckung zu gehen, als ein wild gewordener Zwergesel vorbeipreschte. Sein Besitzer rannte fluchend hinterher.
Bilbo rappelte sich auf, klopfte sich den Staub aus dem Umhang und ging auf die Straße zurück. Puh, Glück gehabt! Also weiter, allerdings … Rechts oder doch links?
Er raufte sich die Haare und sah den Wegweiser anklagend an, als wäre es seine Schuld. Und das Schild antwortete prompt. Bilbo rieb sich die Augen. Tatsächlich! Da hängt ein Umschlag.

›Erst hoch hinaus, dann wieder runter.
Ein Auf und Ab, es wird immer bunter!
Am Ziel bist du noch lange nicht,
wenn du auch noch so drauf erpicht.‹

Ein aufgemalter Pfeil zeigte nach links. Auf nach Wasserau!

Die Sonne warf bereits einen langen Schatten von Bilbo auf die Straße, als er das Dorf erreichte. Kurz vor dem Gasthaus ›Zum Grünen Drachen‹ hielt Bilbo an und stützte sich schnaufend auf seinen Stock. Ich muss etwas übersehen haben. Kein Entführer war länger als nötig auf öffentlichen Straßen unterwegs.
Er zog ein gepunktetes Taschentuch aus dem Umhang und tupfte sich den Schweiß von der Stirn. Diese ganzen Sprüche! Er will was von mir und ist sich seiner Sache mehr als sicher. Natürlich, denn er hat Frodo als Pfand!
Sein Magen krampfte sich zusammen und das Herz trommelte heftig, dass ihm ganz schwindelig wurde. Unwillkürlich schnellten seine Finger zur Westentasche, tasteten, fanden. Der Ring in seiner Hand beruhigte ihn umgehend und trotzig reckte er sein Kinn. Na das wollen wir erstmal sehen!
»Hee! Seid Ihr Herr Beutlin?«, riss ihn eine schrille Stimme aus seinen Überlegungen. Ein kleiner Hobbit kam auf ihn zu gerannt und wedelte mit einem hellbraunen Kuvert.
»Ich dachte schon, Ihr kommt nicht mehr«, klagte der Bursche vorwurfsvoll. Normalerweise hätte Bilbo ihm für diese Unverschämtheit die Ohren langgezogen, doch seine Neugierde war zu groß.
»Sag mir, von wem hast du den Brief?«
»Ich hab was leckeres von ihm bekommen«, strahlte der Kleine und hielt demonstrativ ein Schokoladenplätzchen in die Höhe.
»Nicht!«, schrie Bilbo und schlug ihm den Keks aus der Hand. »Bestimmt vergiftet!«
Mit tellergroßen Augen starrte der Knirps erst auf den Keks im Dreck, dann auf Bilbo, ehe sich seine Gesichtsfarbe von sommerbraun in kalkweiß verfärbte.
»Da! Das ist er«, flüsterte er und deutete zitternd auf das Gasthaus, aus dem eben eine hochgewachsene, vermummte Gestalt trat. Er trug einen Mantel, der so schwarz war wie die Nacht dunkel. Sein Kopf war unter einer Kapuze verborgen und drehte sich langsam in Bilbos Richtung.
Der blickte zu dem Jungen neben sich und erkannte gerade noch, wie er in der Ferne verschwand. Er versuchte ebenfalls loszurennen, doch seine Füße waren wie festgeklebt. Und in diesem Augenblick nahm der Fremde ihn wahr.
Sie fixierten einander und Bilbos Gedanken rasten. Am liebsten würde ich mich jetzt in Luft auflösen!
Wie von selbst schob sich seine Hand unter den Umhang.
STOP!, rief er sich still zur Ordnung. Womöglich ist das sein Begehren.
Unser armer Hobbit zitterte am ganzen Leib, als der Kerl gemächlichen Schrittes näher kam. Drohend baute sich das Ungetüm vor ihm auf und als es sprach, klang es wie ein heiseres Zischen: »Ihr solltet gar nicht mehr hier sein!«
Kalter Schweiß rann unserem kleinen Freund den Rücken hinab. Wie eine Statue stand er da und konnte weder flüchten, noch um Hilfe rufen.
Auf einmal drang lautes Gelächter aus dem Gasthaus. Es wurden Anweisungen gerufen, Tische verschoben, Geschirr klapperte und es war, als kehrte durch den Lärm Bilbos Energie zurück und seine Starre löste sich. Auch der Hüne riss seinen Kopf herum und bemerkte daher nicht, dass Bilbos Wanderstock wie ein Billard Spielstock auf ihn zu schoss.
Stöhnend sank der Riese zu Boden und Bilbo hastete von der Straße weg hinter eine menschenhohe Lorbeerhecke. Dahinter steckte er sich flugs den Ring auf den Finger und konnte kurz durchatmen, ehe er über ein Stoppelfeld zum Eichenhain auf dem kleinen Hügel flüchtete.
Im Schatten der alten Eichen erholte sich Bilbo nur langsam von dem Schrecken. Zur Sicherheit behielt er den Ring an und hielt Ausschau nach seinem Widersacher. Verflixt und zugenäht! Er ist verschwunden!
Während er grübelte, wie er weiter vorgehen wollte, roch er beißenden Rauch. Was ist das nun wieder?
Zum Glück konnte er wenigstens ungesehen herausfinden, wer oder was dafür verantwortlich war. Trotzdem schlich er äußerst vorsichtig in das Wäldchen hinein und jeder Zweig, der unter seinen Füßen knackte, dröhnte wie Donnerschlag in seinen Ohren. Um ihn herum blieb jedoch alles bedrückend still.
Mit einem Mal lichteten sich die Bäume und sein Blick fiel auf eine kleine Schneise. Dort saß jemand an einer Feuerstelle und legte Holz nach. Der sieht aus wie – ach, das Flackern des Feuers spielt mir wohl einen Streich. Und doch beginne ich zu zweifeln.
Achtsam schlich er näher und als er sich ganz sicher war, nahm er den Ring ab.
»Bilbo, endlich!« Frodo sprang auf und umarmte den alten Hobbit.
»Ach mein Junge! Geht es dir gut? Kannst du laufen?«
»Natürlich! Wieso denn nicht?«
»Dann lass uns schnell von hier verschwinden!«
»Was? Setz dich erstmal …«
Besorgt schaute Bilbo ihn an: »Was hat er nur mit dir gemacht?«
»Wer? Weshalb sagst du solche Sachen? Ist mit dir alles in Ordnung?«
Noch bevor Bilbo ihm antworten konnte, hörten sie wie Zweige brachen, Äste raschelten und zwischen den Bäumen trat eine rabenschwarze Gestalt hervor. Bilbos Zuversicht, rechtzeitig zu entkommen, schmolz in diesem Moment wie Eis in der Sonne. Doch eine unbändige Wut packte ihn und ohne nachzudenken stürmte er schreiend und mit erhobenem Stock auf den Hünen zu. Mit Genugtuung nahm Bilbo wahr, wie dieser erst stutzte, dann vor ihm zurückwich, plötzlich mit den Armen ruderte und hintenüber fiel.
Schwer atmend kam Bilbo vor dem schwarzen Stoffberg zum Stehen, aus dem Geächze und Gejammer hervordrangen. Der Stoff bauschte sich auf und es schien, als wollten vier Arme nach dem alten Hobbit greifen.
»Schnell mein Junge!«, rief er Frodo zu, der neben ihm erschien. »Nimm dir einen Ast und schlag zu!«
»Halt!«, schrie der und stellte sich dazwischen.
»Aus dem Weg! Der hier wird niemanden mehr entführen!«
»Entführen? Herrje, was habt ihr getan?«
»Ich? Nichts«, erwiderte Bilbo verwirrt und merkte, dass Frodo gar nicht mit ihm, sondern mit dem strampelnden Umhang sprach. Allmählich schälten sich tatsächlich vier Arme darunter hervor und kein Riese, sondern zwei Hobbits purzelten ins Licht der untergehenden Sonne. Bilbo schnappte nach Luft.
»Un-auf-fällig habe ich gesagt!«, herrschte Frodo die beiden an, die nun rücklings mit schmerzverzerrten Gesichtern auf dem weichen Waldboden lagen.
»Waren wir«, stöhnte der Eine.
»Daher ja auch der Mantel«, sagte der Andere. »Und kannst du nicht besser auf deine Füße aufpassen?«, zischte er an seinen Kollegen gewandt und knuffte ihn in die Seite.
»Ich? Du hast dich doch nach hinten gelehnt und uns aus dem Gleichgewicht gebracht!«
Bilbo verstand die Welt nicht mehr und blickte die drei ungeduldig an. »Würde mir bitte jemand erklären, was hier los ist?«
»Nun, Frodo hat uns gebeten, die Nachrichten zu verteilen«, begann Merry kleinlaut.
Und Pippin fuhr fort: »Damit die Leute nicht denken, wir hecken nur wieder etwas aus, haben wir uns maskiert und gingen als eine Person, anstelle von zwei Hobbits.«
»Sehr einfallsreich«, seufzte Frodo und schüttelte den Kopf.
»Nicht wahr? Die im ›Drachen‹ haben gedacht, sie bekämen Besuch aus Mordor«, gluckste Pippin, schob jedoch schnell »natürlich gaben wir uns zu erkennen« hinterher, als Bilbo ihn wütend ansah.
»Und mir konntet ihr das nicht sagen? Ich hab mich zu Tode erschrocken!«, polterte Bilbo.
»Ihr habt uns zuvor niedergeschlagen und dann ward Ihr weg«, versuchte Merry zu erklären und sah zerknirscht zu Pippin.
»Außerdem hätten wir Herrn Bilbo nie treffen sollen«, rechtfertigte sich Pippin und half seinem Freund auf die Beine. »Er sollte zu dem Zeitpunkt doch schon längst bei dir am Hain sein.«
»Ich glaube das alles nicht! Ach, hätte ich nur Gandalf damit beauftragt«, ächzte Frodo.
»Sogar der Zauberer hat mit euch unter einer Decke gesteckt!«, fluchte Bilbo, stemmte die Arme in die Hüften und lief im Kreis. »Er hat mir beim Texten geholfen«, sagte Frodo geknickt.
»Dann überlegt euch weniger verfängliche Sprüche! Ich dachte, du wurdest entführt!«
Wie drei begossene Pudel standen die Hobbits da und Frodo wirkte, als wollte er am liebsten die Zeit zurückdrehen. Derweil zupfte Pippin unauffällig an Merrys Hemd und zog ihn sachte rückwärts.
»Wir ähm, gehen jetzt wohl besser und wünschen dennoch eine schöne Vorfeier!«, verabschiedeten sie sich.
»Vorfeier? Was meinen diese Taugenichtse?«, schimpfte Bilbo den beiden hinterher.
»Ich bitte dich, lies noch den letzten Spruch.«
Mürrisch holte Bilbo den mittlerweile stark zerknitterten Umschlag aus seiner Tasche hervor:

›Das Ziel kannst du nun sehen,
das Stückchen zum Eichenhain musst du noch gehen.
Dort erwartet dich Gemütlichkeit
und eine Vorfeier zu zweit.‹

Bilbo blickte von dem Zettel auf.
»Wir beide feiern ganz gemütlich in unseren Geburtstag hinein und übernachten hier«, erläuterte Frodo.
Erst jetzt fielen ihm die beiden Schlafplätze, links und rechts neben dem prasselnden Lagerfeuer auf. Über dem Feuer brutzelte bereits das Abendbrot, ein kleines Bierfass war aufgebockt und wartete nur darauf geleert zu werden.
»Weißt du, ab morgen wird alles anders werden. Daher dachte ich wir unternehmen nochmal etwas miteinander.«
»Hrmpf«, schnaubte Bilbo, weil er nicht wusste, was er dazu sagen sollte.
»Im Nachhinein wäre es wohl klüger gewesen, dir alles vorher zu erzählen.«
»Es hätte mir etliches erspart.«
»Ich weiß. Und das tut mir leid. Aber du hast so oft von deinem Abenteuer erzählt, da konnte ich nicht wiederstehen, alles ein wenig abenteuerlich zu gestalten«, grinste Frodo schelmisch. »Leider ging das völlig schief.«
»Kann man wohl sagen«, brummte Bilbo und sah ihn tadelnd an.
Insgeheim schämte er sich, weil er sich in etwas vollkommen Absurdes verrannt hatte. Er erinnerte sich an Gandalfs Hinweis von heute Mittag. Hätte ich nur besser zugehört, als Hals über Kopf davonzustürmen.
So sagte er zu Frodo: »Ich bin ein alter Narr! Blitzgescheit soll ich sein? Das hab ich heute ja bewiesen.«
Das Kinn des alten Hobbits begann zu zucken und mir nichts dir nichts prustete er los. Frodo stimmte erleichtert mit ein und bald hielten sich beide vor lauter Lachen ihren Bauch, japsten nach Luft, wischten Tränchen aus den Augenwinkeln und fingen wieder von vorne an, sobald sie sich nur anschauten. Lange Zeit wehte neben einem unwiderstehlichen Duft nach gegrillten Würstchen, Tomaten und Stockbrot, heiteres Gelächter ins Land.
Es dämmerte bereits, als sich die beiden Hobbits satt und glücklich ihre Pfeifen stopften und den Blick von der Anhöhe aus schweifen ließen.
»Ein gemütliches Plätzchen ist das hier«, murmelte Bilbo.
»Freut mich, dass es dir gefällt. Extra so gewählt, mit Aussicht auf den Bühl. Ganz in der Ferne erkennt man sogar noch den Schiefertonwald. Siehst du ihn? Und hinter uns, auf der großen Ost-Straße, ist wirklich zu jeder Tageszeit etwas los«, plauderte Frodo und Bilbo schmunzelte in sich hinein.
Lange hatte er mit sich gehadert alles hinter sich zu lassen. Doch jetzt war er sicher: Die Zeit für Veränderungen war gekommen.
Das Lagerfeuer knisterte und die Dunkelheit senkte sich um die beiden herab wie ein alles umhüllender Mantel. Sie pafften Rauchkringel zu den Sternen und Bilbo spürte, Frodo war zufrieden. Das wird auch so bleiben. Er ist ohne mich besser dran.
Bilbo kuschelte sich in seine Decke und gähnte herzhaft. Bald fielen ihm die Augen zu und er schlummerte seinem nächsten Abenteuer entgegen.
Am nächsten Morgen kroch die Sonne am Horizont empor und ihre Strahlen kitzelten die beiden Geburtstagskinder aus ihren Träumen. Nach einem herzlichen, gegenseitigem Gratulieren und einem deftigen Frühstück mit gebratenem Speck und Rühreiern, packten sie ihre Sachen um nicht zu spät zu ihrer eigentlichen Feier zu kommen.
Bodennebel waberte noch über den Flusswiesen und färbte sie silbern, als Frodo seinen Rucksack schulterte. Einen Moment lang standen sie einfach nur da, genossen den Ausblick auf ihr Zuhause und Bilbo nahm leise Abschied:

»Ach mein Bühl! Das Herz wird mir schwer, werd ich geh‘n.
Doch du wirst mich versteh‘n.

Was haben wir nicht alles erlebt?
Sonderbares, abenteuerliches, wundersames hat uns bewegt!

Beherbergtest‘ schon Zauberer und Zwerge,
sogar einen König unter dem Berge.

Adieu mein Bühl und Dankeschön!
Ob wir uns nochmal wiedersehn?«

Frodo legte ihm eine Hand auf die Schulter. »Bereit?«, fragte er.
»Ja mein Junge. Ich bin bereit«, erwiderte Bilbo und die Vorfreude auf seinen geplanten Scherz am Abend stieg, wie die Sonne, immer höher und überstrahlte das nahende ›Lebewohl‹ ein wenig.

***

Morgen präsentieren wir euch die Erzählung, die es auf den zweiten Platz geschafft hat!

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3 Kommentare zu “Mach Mit! – Gewinner: Feier mit Bilbo und Frodo Geburtstag

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