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Die englische Originalausgabe von »Der Hobbit oder Hin und zurück« wird 79

Cover »Der Hobbit«

Einsichten unseres Fantasy-Lektors.

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Die englische Original-Version des Hobbit ist am 21. September 1937 erschienen. Sie existiert nun also auf den Tag genau schon 79 Jahre. Anlässlich dieses »Hobbit-Feiertags« haben wir für euch einige Einsichten unseres Fantasy-Lektors, Stephan Askani, aus einem Interview zusammengefasst, dass ihr auch hier vollständig anschauen könnt.

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Original und deutsche Fassung
»1957 ist der Hobbit das erste Mal in Deutschland erschienen, der Hobbit ist von 1937 im Original. 1957, das heißt erst 20 Jahre nach dem Original. Dies liegt sicherlich auch am Krieg, dass es so lange gedauert hat. Es gibt unter den Briefen Tolkiens einen als Antwort auf die Aufforderung hin, an einen deutschen Verlag einen Arier-Nachweis zu schicken und dieses Ansinnen hat er sehr entschieden zurückgewiesen. Und so hat es gedauert bis 1957.«

Zur Zielgruppe und Erzählart:
»Tolkien, das weiß man, hat sich diese Geschichte um Bilbo Beutlin ursprünglich für seine Kinder ausgedacht und abends, wie Väter das so tun, vor dem Einschlafen erzählt. Und auch wenn man sich heute die gedruckte Fassung zu Hand nimmt, dann kann man das noch spüren und zwar die Vertrautheit in der Erzählung. Man hat den Eindruck unmittelbar die Gegenwart des Erzählers zu spüren, die Spontanität, die Art und Weise, wie er sogar mit den kleinen Zuhörern oder dem Leser in eine Art Dialog tritt. Das macht er z.B. so, dass er mal sagt »Diese oder jene Figur ist noch viel größer als ihr es euch vorstellen könnt«, also er spricht den jugendlichen Hörer oder Leser unmittelbar an.«

Was ist ein Hobbit?
»Hobbits existieren, jedenfalls in Geschichten und man sollte sie erleben, lesend erleben, aber nicht so genau fragen, was sie sind.«

»Der Hobbit oder Hin und zurück« in drei Sätzen:
»Freilich kann man auch diese Geschichte in drei Sätzen zusammenfassen. Man muss in Kauf nehmen, dass ein gewisser Charme dabei verloren geht:
Die Geschichte handelt von einem jungen Hobbit, der zunächst überhaupt nicht die Absicht hat, sich in Abenteuer hineinzubegeben, aber sich überreden lässt, eine Reise zu machen. Unser Hobbit wächst auf dieser Reise quasi über sich hinaus im Kampf mit Ungeheuern, einem bösen Drachen, und er wird sogar zu so etwas wie einem Held.
Der Hobbit Bilbo Beutlin kehrt zurück in seine beschauliche Heimat und führt dort dann wieder ein bescheidenes und zufriedenes Hobbit Leben. – Soweit die drei Sätze. Das heißt, der Gang der Geschichte geht von einer Idylle in eine Art von Gefahr und Finsternis, um dann wieder zurückzukehren zum Ausgangspunkt.«

»Der Hobbit oder Hin und zurück« in einem Satz:
»Der Hobbit handelt, wie alle guten Geschichten überhaupt, von der Sehnsucht, nach Hause zu kommen.«

Vergleich mit der Odyssee:
»Man könnte die Geschichte aber auch vergleichen mit einer der ganz alten Epen, mit der Odyssee. Ein Held des trojanischen Krieges, in diesem Fall, hat ein Ziel, nämlich nach Hause zu kommen. Und die Geschichte handelt von vielen Fährnissen und vielen gescheiterten Versuchen und am Ende gelingt ihm doch die Heimkehr. Der Hobbit zu Beginn der Geschichte, Bilbo Beutlin, dachte gar nicht an Abenteuer, aber durch die Abenteuer, die er erlebt, wird er zu dem, der er dann ist.«

Wer sollte den Hobbit lesen?
»Das ist eine schöne Frage, die ich sofort zurückweise, weil sie ist insofern nicht legitim, weil natürlich jeder diese Geschichte lesen sollte. Sie ist sozusagen eine exemplarische Geschichte. Und sie ist sogar eine Geschichte, die im Hinblick auf die Zielgruppe überhaupt keine Einschränkungen kennt.
Diese Geschichte von einem Hobbit, der kein Abenteuer erleben will, der lieber vor seiner Hütte oder seiner Höhle sitzen mag und die Pfeife raucht, und der dann doch alles Mögliche erlebt, ohne es zu wollen, und eigentlich nach Hause will – mir soll mal irgendjemand erzählen, dass diese Geschichte nichts mit ihm zu tun habe. Sie handelt von jedem, der sie liest. Jeder Leser ist unmittelbar in diese Geschichte eingeschlossen. Also anstatt, wer solls lesen, müsste man eher fragen: »Wen geht sie eigentlich nicht an, diese Geschichte?«. Ein Buch von 1937 wird im Jahr 2012 verfilmt: Wo gibt es denn so etwas? Es gehört ja zu den Geheimnissen dieser Geschichte, dass sie immer jung bleibt. Sie wird einfach nicht alt. «

Zur filmischen Umsetzung:
»Bei allem, was im Film Neues hinzugetan wurde, inhaltlich, waren Peter Jackson und seine Mitarbeiter stets bemüht, den Kontext von Tolkiens Buch ästhetisch und dramaturgisch zu wahren. Also der Film hat auch da, wo er abweicht, sehr viel Respekt vor Tolkien. Und man muss sagen, so ein Film wäre nicht möglich in der Qualität, ohne dass alle, die damit zu tun haben, Tolkien mögen.«

Fazit:
»Das ist ein Buch, das jeder, der es einmal kennt, bestimmt viele Male in seinem Leben lesen wird.«

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Mehr Informationen zum Buch gibt’s hier.

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