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Interview von Patrick Rothfuss mit Joseph Fink und Jeffrey Cranor

Jeffrey Cranor und Joseph Fink © Nina Subin

Patrick Rothfuss im Gespräch mit Joseph Fink und Jeffrey Cranor, den Autoren von »Willkommen in Night Vale«

Patrick Rothfuss: Ich pack’s nicht. Echt nicht. Wie schreibt man einen derart guten Romanerstling? Mit welchen dunklen Mächten habt ihr euch eingelassen? Könnt ihr mir deren Telefonnummer geben?
Joseph Fink: Dunkle Mächte – ein nettes Kompliment! Lange bevor einer von uns an einen Roman dachte, waren wir schon auf dem Weg dahin. Obwohl unser »Welcome to Night Vale«-Podcast klingt wie eine Lokalradio-Sendung, ähnelt er mehr einer Kurzgeschichte oder einem Poetry Slam als einem Hörspiel oder Drehbuch – er ist größtenteils in der Ich-Perspektive erzählt. Bei zwanzig Episoden pro Jahr hatten wir schon tausend Seiten Podcast-Scripts zusammen, als wir mit dem Roman anfingen.
Jeffrey Cranor: Zwischen Podcast und Roman gibt es natürlich einige stilistische Unterschiede, aber wir konnten auf jahrelange Vorarbeit zurückgreifen. Ein ganzes Universum an Figuren, Schauplätzen, Spielregeln und dieser typische Vibe der Stadt – all das war schon da.

Rothfuss: »Welcome to Night Vale« ist schon jetzt eine der weltbesten Podcastserien. Warum noch einen Roman draus machen?
Fink: Wir sind beide mit Büchern aufgewachsen. Ich wollte immer eins schreiben, seit ich verstanden hatte, was die Dinger können. Als dann (völlig unerwartet) der Podcast durchstartete, gab es für uns nur einen nächsten Schritt: den Roman. Damit konnten wir die Stadt genauer erforschen, neue Figuren erfinden, alte weiterentwickeln und dem Universum von Night Vale weitere Perspektiven abgewinnen.

Rothfuss: Autorenduos wie ihr sind eher die Ausnahme. Wie klappt das mit der Zusammenarbeit?
Cranor: In etwas über fünf Jahren gemeinsamen Schreibens hat sich das ganz gut eingespielt. Jeder arbeitet für sich, dann tauschen wir uns aus und redigieren. Das funktioniert deshalb, weil wir uns als Autoren und als Freunde absolut vertrauen. Hat bisher ganz wunderbar geklappt – und uns oft angenehm überrascht.

Rothfuss: Wenn ihr euch Superkräfte wünschen dürftet, welche wären das?
Cranor: Ich klau mir die Antwort bei Cecil (Baldwin, dem Ich-Erzähler des Podcasts und des Hörbuchs): Ich würde gern alle Sprachen der Welt sprechen und verstehen.
Fink: Ich hätte gern einen Hund.

Rothfuss: Gibt es Autoren, die ihr besonders bewundert oder denen ihr sogar nacheifert?
Cranor: Unsere größten Vorbilder bei der Arbeit an »Night Vale« waren der Theaterautor Will Eno und die Autorin Deb Olin Unferth. Beide schreiben mit dieser klaren, unerschütterlichen Stimme und in schnörkellosen, nüchternen Sätzen, die es trotzdem immer wieder fertig bringen, unsere Erwartungen völlig auf den Kopf zu stellen.
Fink: Sie zeigen einem, dass es überraschende Wendungen nicht bloß im Plot oder innerhalb eines Kapitels geben kann, sondern auch in einem einzigen Satz. Die Sprache kann mittendrin in eine völlig unerwartete Richtung abheben. Das sind so die magischen Momente, nach denen ich beim Schreiben suche.

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